Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Debatte im Fachausschuss Am Delmenhorster Pulternsee soll wieder Gastronomie entstehen

Von Marco Julius | 12.12.2018, 17:56 Uhr

Das Pultern-Areal rückt wieder in den Fokus. Während Pläne für Gastronomie am Pulternsee politisch eine Mehrheit finden, ist die Lage für nördlich davon angedachtes Gewerbe nicht so klar.

Es war einmal ein Schmuckstück und dann, nach dem Brand, lange ein Schandfleck der Stadt. Vor dem verheerenden Feuer war es irgendetwas dazwischen: Das Areal des ehemaligen Landgasthofs Zur Pultern, am Ortseingang idyllisch am Pulternsee gelegen. Der Schandfleck ist mittlerweile verschwunden, die Brandruine seit Jahren abgerissen. Jetzt soll für die Brache ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Ziel ist es, die bestehenden Wasserflächen zu erhalten und unmittelbar am Pulternsee wieder Gastronomie entstehen zu lassen. Auch ein Hotel soll dort möglich sein. Oberbürgermeister Axel Jahnz warb dafür, „das Eingangstor der Stadt wieder attraktiv zu gestalten und dort die Möglichkeit für Gastronomie zu schaffen“. Der Planungsausschuss hat am Dienstag mit deutlicher Mehrheit dann grünes Licht für die Fläche nördlich der Syker Straße und westlich der B75 gegeben. Der Verwaltungsausschuss hat das letzte Wort.

Mit der Zustimmung war es im Ausschuss aber vorbei, als es um die sich an das Areal anschließende Fläche nordwestlich der B75 (“Stickgras II“) ging. Dort, so sah es die Vorlage vor, sollte ein Bebauungsplan auf den Weg gebracht werden, an dessen Ende die Entwicklung eines Gewerbegebietes stehen sollte. Das brachte nicht nur Umweltschützer auf die sprichwörtliche Palme. Die Fläche liegt mitten im Landschaftsschutzgebiet Langenwisch-Emshoop.

Widerspruch zum Ratsentscheid

Es war nicht nur Helmut Blauth, beratendes Mitglied des Ausschusses als Vertreter der Landesjägerschaft, der darauf hinwies, dass die neue Verordnung für das Schutzgebiet erst vor wenigen Tagen vom Rat bestätigt wurde. „Die Druckerschwärze ist noch nicht trocken“, sagte Blauth. Ein Gewerbegebiet in dem Gebiet von hoher ökologischer Relevanz sei ein harter Eingriff, das politische Handeln stünde im Widerspruch zum Ratsentscheid. Blauth zitierte die Verordnung, in der wortwörtlich steht, dass die Fläche als „Landschaftsschutzgebiet erhalten und vor Veränderungen bewahrt werden“ soll. Für Blauth ist klar, dass auch eine erneute Betrachtung der Fläche zu keinem anderen Ergebnis kommen kann: die Fläche ist zu schützen. „Wie glaubwürdig sind wir dann?“, fragte Marianne Huismann (Grüne). Dort Gewerbeflächen anzustreben sei eine rückwärtsgewandte Politik.

Prof. Dr. Gerd Turowski (Nabu) kündigte mit drastischen Worten Widerstand an, sollte in dem Landschaftsschutzgebiet Gewerbe geplant werden: „Wenn Sie diese herausragende Fläche angehen, dann gibt es Krieg.“

Machbarkeitsstudie soll Klarheit bringen

Das es durchaus „Zielkonflikte“ gibt, attestierte die Verwaltung. Sie machte aber auch klar, dass es Gründe geben könnte, den Landschaftsschutz aufzuheben. Dann müsse allerdings Ausgleich geschaffen werden.

Es zeichnete sich in der Sitzung früh ab, dass es für den Beschlussvorschlag, einen Bebauungsplan aufzustellen, keine klare Mehrheit geben würde. Nach kurzer Sitzungsunterbrechung formulierte Detlef Roß (SPD & Partner) einen neuen Beschlussvorschlag: Eine Machbarkeitsstudie soll nun her– und aufzeigen, was in dem Gebiet überhaupt möglich ist. Für diesen Vorschlag gab es von neun Ratsmitgliedern ein Ja, CDU und FDP stimmen mit vier Stimmen dagegen. Die Machbarkeitsstudie, die laut Fachbereichsleiter Fritz Brünjes „einige 10.000 Euro“ kosten werde, soll dann im Planungs-, im Verwaltungsausschuss und im Rat debattiert werden.