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Delfintherapie in der Karibik Delmenhorster Spenden helfen Querschnittsgelähmter

Von Alexander Wiechmann | 24.01.2019, 16:20 Uhr

Die durch Spenden ermöglichte Delfintherapie war ein voller Erfolg. Die 39-jährige Delmenhorsterin Nina Bohne kehrt in besserer Verfassung von der Karibikinsel Curaçao zurück.

Ute Bohnes Herzenswunsch ist endlich in Erfüllung gegangen. Zwei Jahre lang hatte sie Spenden gesammelt, nun konnte ihre 39-jährige Tochter Nina die erhoffte Delfintherapie antreten. Im September vergangenen Jahres flog die Mutter gemeinsam mit ihrem Sohn und ihrer querschnittsgelähmten Tochter auf die Karibikinsel Curaçao, um dort an der zweiwöchigen Therapie teilzunehmen.

Von Geburt an im Rollstuhl

Nina wurde mit einem offenen Rücken geboren und ist von der Hüfte an abwärts gelähmt. Seit ihrer Kindheit sitzt sie im Rollstuhl, freies Sitzen fällt ihr schwer. Hinzu kommen Depressionen und Sprachstörungen. Durch den Auftrieb des Wassers war ihr Körper während der Therapie entlastet, sie konnte sich besser bewegen und ihre Muskeln wurden beim Schwimmen aufgebaut. „Die Bewegungen fielen ihr leichter und sie war sichtlich entspannt“, erklärt Ute Bohne, die ihre Tochter zu den täglichen Therapiestunden begleitete. „Mir liefen die Tränen, als ich sehen konnte wie glücklich sie war.“

Nina hatte körperlich und psychisch innerhalb der letzten zwei Jahre abgebaut. Sie litt unter Depressionen und hatte weder Kraft noch Elan, berichtet ihre Mutter. Eine Therapie mit Delfinen sollte ihr helfen, die Verkrampfungen zu lösen, sich besser bewegen zu können und mehr Selbstvertrauen zu gewinnen. Angeboten wurde die Therapie von der Hilfsorganisation „Dolphin Aid“ aus Düsseldorf, die sich auf tiergestützte Intensivtherapien mit Delfinen für Menschen mit Behinderung spezialisiert hat.

Täglich eine Stunde mit Delfinen im Wasser

Auf der Insel begann Ninas Alltag um 11 Uhr morgens mit einer 30-minütigen Psychotherapie, bei der sie über ihre Wünsche und Probleme sprechen konnte. Darauf folgte in der Hotel-Lagune die einstündige Delfintherapie, bei der Nina mit den Tieren schwimmen und spielen konnte, wodurch sie gleichzeitig ihre Muskeln stärkte. Im Wasser wurde sie von ihrem Therapiedelfin „Kanoa“ und Physiotherapeuten begleitet. Anschließend wurde die Physiotherapie mit Übungen an Land fortgeführt, bevor die Patientin mit einer Massage in den freien Nachmittag entlassen wurde.

In Deutschland sieht Ninas Alltag anders aus: Die 39-jährige Delmenhorsterin ist im Büroservice beim Martinshof Bremen tätig und wohnt seit Mitte November in einer behindertengerechten Wohngemeinschaft in Delmenhorst. Dank der Therapie fühlt sie sich besser und ist selbstbewusster, als habe sich ein Knoten gelöst. „Die Therapie hat zu 100 Prozent das gebracht, was wir uns von ihr erhofft hatten, sogar das Stottern wurde besser“, sagt Ute Bohne.

Delmenhorster Spenden ermöglichen die Therapie

Der Spendenaufruf der Mutter in verschiedenen Zeitungen brachte innerhalb von zwei Jahren gerade einmal ein Viertel der benötigten Summe ein. Des Weiteren sicherte nur eine der 50 angefragten Stiftungen ihre Unterstützung zu. Die Delfintherapie ermöglichten gegen Ende des vergangenen Jahres erst die Spenden von lokalen Unternehmen und der Erlös des vom dk präsentierten Benefiz-Kinderfestes des Old Table 491 Delmenhorst, der fast die Hälfte der benötigten Summe ausmachte.

Ein Blatt als Abschiedsgeschenk

Zum Abschied schenkte Kanoa seiner Therapie-Patientin ein Blatt, das er ihr während der letzten gemeinsamen Therapiestunde aus dem Wasser gefischt hatte. In den zwei Wochen baute Nina eine besondere Beziehung zu dem Tier auf. „Der Delfin vertraute ihr schnell und ging besonders vorsichtig mit Nina um“, teilte Ute Bohne mit.

Chance auf Wiederholung bleibt ungewiss

Den Patienten der Delfintherapie wird geraten sie jährlich zu wiederholen, um weitere Fortschritte zu erreichen. Ob Nina erneut nach Curaçao reisen darf, um die bisher sehr erfolgreiche Therapie fortzusetzen, steht noch nicht fest. „Eine Wiederholung der Therapie wäre wünschenswert. Die Reise brachte große Verbesserungen und hat Nina die Lebensfreude zurückgebracht“, so Ute Bohne.