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Delmenhorst: Auferstehung aus Ruinen? Investor will Lindenhof in Adelheide neu aufleben lassen

Von Frederik Grabbe | 08.07.2016, 09:22 Uhr

Seit dem Brand 2011 bot der alte Lindenhof an der Adelheider Straße ein eher trauriges Bild. Dies soll sich ändern. Die Ruine will der Investor Günay Zeybek zu alter Blüte führen.

Der Glanz alter Zeiten ist noch deutlich greifbar. Auch, wenn im früheren Lindenhof in Adelheide schon lange nichts mehr glänzt: „Willkommen im Château“ kündigt ein bogenförmiges Schild im früheren Saal vor einer Sitzecke blumig an, eine Tapete an der Wand zeigt eine blau-grüne Naturlandschaft, die dem Betrachter vermutlich einst den Atem rauben sollte. Doch neben diesem künstlichen Idyll klafft ein schwarz-rußiges Loch, an dessen Stelle einmal ein Kamin gestanden haben könnte. Die Farbe der Dielen ist aufgeplatzt, hier und da erlaubt ein Loch einen Blick durch die Zwischendecke. Eine Unmenge an Koffern, Stühlen, alten Automaten und Bildröhrenfernsehern stehen im Raum und auf der früheren Theke. Im vorderen Teil des Gebäudes haben in den vergangenen zwei Monaten die Zähne eines Baggers zugeschlagen. Dort, wo seit einem Brandschaden im Jahr 2011 das eingestürzte Dach zu sehen war und Delmenhorst so über Jahre einen unschönen Anblick bescherte, ist jetzt der abgerissene Bauschutt zu sehen . Der Rest vom ehemals einladenden Lindenhof-Entree.

Heillos heruntergekommen vs. neue Blüte

Mitten in diesen Backsteinen, Holzresten und Glasscherben steht Günay Zeybek, der neue Besitzer des Gebäudes an der Adelheider Straße 220. Zeybek sieht keine hoffnungslos heruntergekommene Ruine, wie sie viele Autofahrer erkennen mögen . Zeybek sieht eine Gastronomie, die zu früherer Blüte geführt werden wird. „Die Front mit dem Brandschaden wurde abgerissen, diese will ich wieder neu aufbauen“, schildert er. Im unteren Stockwerk sollen wieder gastronomische Räumlichkeiten entstehen, in den oberen Stockwerken plant er rund 15 Zimmer, die Zeybek vermieten will. „Hier sollen wieder Hochzeiten gefeiert werden“, schildert er seine Idee. Führen möchte er den Betrieb später aber nicht, nach dem Wiederaufbau will er ihn an einen Gastronomen vermieten. Das ist der grobe Plan. Was folgt dann, ein Restaurant etwa? Soweit kann Zeybek noch nicht vorausblicken. Aber: „Ich möchte etwas Gutes aufziehen, etwas, das funktioniert.“

12950 Quadratmeter als Altersprojekt

Ursprünglich hatte Zeybek etwas anderes vor. „Ich habe das Grundstück wegen seiner Größe gekauft“, sagt er. 12.950 Quadratmeter, mitten im grünen Adelheide. Weiter hinten wollte sich der 75-Jährige ein Haus bauen, als Alterruhesitz. Bis vor Kurzem führte Zeybek ein Hotel in Hemelingen. Nach einem langen Arbeitsleben wollte er den Ruhestand anpeilen. Als ihm der Fachdienst Bauordnung erklärte, dass ein Abriss nicht möglich sei und das Objekt einer gewerblichen Nutzung bedürfe, musste Zeybek neu planen. Nun ist der frühere Lindenhof ist gewisserweise sein Altersprojekt. „Ich habe als Busfahrer, Taxifahrer, im In- und Export und als Hotelier gearbeitet, die letzten 54 Jahre war ich selbstständig. Ich brauche immer eine Aufgabe. Aber so langsam möchte ich mich zurückziehen“, beschreibt er.

Wiederaufbau in anderthalb bis zwei Jahren

Bei dem Gang durch das Gebäude führt Zeybek durch den früheren Saal, durch alte Flure, die Küche und etwas, was einmal ein Kühlraum gewesen sein könnte. Die zahlreichen Gegenstände stammen zum Großteil aus Zeybeks alten Hotel und sind vorerst zwischengelagert. Vor dem hinteren Teil des Gebäudes zerlegt gelegentlich ein Untermieter des früheren Gastronoms, ein Schrotthändler, Waschmaschinen. Hintan, in der alten dachlosen Schießanlage, sprießt das Grün, hinter einem Zaun schnattern Gänse, scharren Hühner, guckt eine Ziege neugierig. Anderthalb bis zwei Jahre, so lange soll es dauern, bis die Gaststätte, die bis zu 3000 Quadratmeter Nutzfläche haben soll, wieder vorzeigbar ist, erklärt Zeybek.

Es ist viel Arbeit, die sich der 75-Jährige für seinen Ruhestand aufgebürdet hat.