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Delmenhorst, Ganderkesee, Wildeshausen und Harpstedt Fotografieren im Freibad verboten

Von Frederik Grabbe | 13.05.2016, 22:27 Uhr

Fotos im Freibad können die persönliche Intimsphäre des Fotografierten verletzen. Die meisten Freibäder in der Region zeigen in dieser Frage eine klare Haltung.

Die Temperaturen werden wärmer, der Sommer kündigt sich an. Und auch, wenn das Wetter-Tief Zooey dem Hoch Peter ziemlich auf die Finger haut und sich über Pfingsten in Deutschland recht unterkühlt zeigen wird: Die Freibadsaison beginnt. Damit stellt sich sie auch die Frage, ob in Freibädern ein Fotoverbot gilt und wie weit es geht. Das dk hat sich in der Region umgehört.

Mit den Hüllen fallen mitunter auch die Hemmungen, ein Foto vom Nebenmann oder der Nebenfrau zu machen. Wir haben uns umgehört, welches Bad welche Regeln in dieser Frage verfolgt.

Notfalls Begleitung bis zum Spind

„Streng und mit klarer Kante“, so geht die GraftTherme nach Aussage von Geschäftsführer Horst Fiedler vor. „In den vergangenen Jahren hatten wir einen Vorfall, wo in einer Umkleide mit einem Smartphone gefilmt wurde. Seitdem ist aber Ruhe.“ Wenn ein Angestellter einen Gast mit Smartphone erblicke, werde dieser angesprochen und drauf hingewiesen, dass Fotos nicht erlaubt seien und zum Spind begleitet, damit er sein Gerät ablegt. Funktioniere dies nicht, droht ein Hausverbot. Eine Maßnahme, die bis auf den genannten Vorfall aber nicht ausgesprochen werden musste. Und doch sagt Fiedler: „Zu 100 Prozent ist eine Kontrolle nicht leistbar.“

 (Weiterlesen: StadtWerke stecken 900.000 Euro in GraftTherme)

„Gegebenfalls müssen die Bilder gelöscht werden“

Auch vergleichsweise streng handelt das Krandelbad in Wildeshausen. „Wir haben ein grundsätzliches Fotoverbot auf den Außenflächen und in unseren Räumen“, sagt Betriebsleiter Marcel Buller. „Wenn wir trotzdem jemanden erwischen, der eine Person fotografiert, die dies nicht möchte, müssen die Fotos von unserem Personal gesichtet werden. Es weist dann den Fotografen an, die Bilder gegebenenfalls zu löschen.“ Diese Strenge kommt nicht von ungefähr: „Werden die Bilder ohne Wissen des Fotografierten zum Beispiel bei Facebook weiterverbreitet, ist das strafrechtlich relevant.“ Hart eingreifen und jemanden des Bades verweisen musste Bullers Team bislang aber noch nicht. Die „Täter“ seien meistens einsichtig und davon ab fotografierten mehrheitlich Familienglieder oder Freunde sich gegenseitig. Dies wiederum werde toleriert.

In Ausnahmefällen sind Fotos erlaubt

Das Ganderkeseer Freibad, dass am Samstag öffnet , geht ebenfalls mit Augenmaß vor. „Grundsätzlich herrscht ein Fotografier-Verbot, aber wenn jemand zum Beispiel den ersten Sprung vom Turm seines Kindes festhalten will, schreiten wir natürlich nicht ein“, sagt Edgar Sauer, Betriebsleiter des Bades. In der Sauna herrsche hingegen ein striktes Verbot.

„100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Sind ja keine Türsteher“

„Generell sprechen wir unsere Gäste darauf an, wenn wir Geräte entdecken. Schließlich hat fast alles, vom Smartphone bis zum Tablet, eine integrierte Kamera“, so Sauer. Doch eine 100-prozentige Garantie, dass niemand fotografiert wird, der es nicht möchte, kann auch er nicht geben. „Ins Bad passen 2500 bis 3000 Menschen. Da können wir nicht jeden kontrollieren. Wir sind ja keine Türsteher.“ Verweisen musste man bisher wegen unangemessenen Fotos noch niemanden. „Da sind unsere Gäste wirklich sehr einsichtig.“

Thema hat sich in Harpstedt bislang nicht gestellt

Generell weisen alle genannten Bäder an den Eingängen durch Piktogramme und Schriftzüge auf Schildern auf ein Foto-Verbot hin. Einzige Ausnahme ist das Rosenbad in Harpstedt, das am kommenden Freitag öffnet. „Das Thema hat sich bisher für uns nicht gestellt“, sagt Christian Engelmann, in der Samtgemeinde für das Freibad verantwortlich. Eher werde man in kurzer Zukunft wohl Verhaltenshinweise in Deutsch, Englisch und Arabisch im Bad einrichten. Dies sei eine allgemeine Empfehlung des Landkreises gewesen.