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Delmenhorst hinkt hinterher Hertie-Ruinen: Viele Städte haben mehr Glück als Delmenhorst

Von Michael Korn | 17.08.2015, 20:23 Uhr

Von den bundesweit über 70 ehemaligen Hertie-Kaufhäusern ist die überwiegende Mehrzahl bereits neu genutzt – meist als Einkaufszentrum. Delmenhorst dagegen kommt kaum voran.

Die ins Stocken geratenen Pläne für einen Umbau der Delmenhorster Hertie-Ruine lenken den Blick auf die Entwicklung anderer ehemaliger Kaufhaus-Standorte in vergleichbaren Städten: Die überwiegende Mehrzahl der einstigen Hertie-Häuser in Deutschland ist vermarktet – Delmenhorst gehört zu den wenigen Städten, in denen noch keine Folgenutzung absehbar ist.

Überwiegend Einzelhandel

In den meisten Fällen ist wieder Einzelhandel in die über mehrere Jahre leer stehenden Gebäude eingezogen beziehungsweise zieht demnächst ein – wie in Husum, Itzehoe, Hamburg (Übernahme durch Kaufland), Cuxhaven oder Wilhelmshaven.

„Dinosaurier des Einzelhandels“

Laut André Belhaouès vom Hertie-Marketingteam gelten die ursprünglich erbauten Kaufhäuser heutzutage als die „Dinosaurier des Einzelhandels“. Insgesamt existierten 73 Hertie-Warenhäuser in Deutschland, in denen rund 4800 Mitarbeiter beschäftigt waren. 2005 habe Dawnay Day die Hertie Häuser für 285 Millionen Euro vom Karstadt Quelle Konzern gekauft und diese in Hertie umbenannt. Im Jahr 2009 sei es aufgrund der Insolvenz der Hertie GmbH zur Schließung einiger Kaufhaus-Komplexe gekommen, so auch in Delmenhorst. In vielen Städten gelten die trostlosen Kaufhausruinen laut der Mitteilung als „Schandfleck“ des Stadtbildes. Die Mehrheit der leer stehenden Hertie-Immobilien werde von BNP Paribas Real Estate (Berlin) im Auftrag von Dawnay Day vermarktet.

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Noch acht Ruinen

Die Städte strebten nach einer Wiederbelebung der Häuser, um die Attraktivität der Lebensräume wieder zu erhöhen. Sieben Jahre nach der Insolvenzanmeldung von Hertie stünden immer noch acht der ehemaligen Standorte leer beziehungsweise hätten keinen geplanten Verwendungszweck. Belhaouès: „Unrealistische Preisvorstellungen, geringe Qualität der Standorte, unklare Eigentumsverhältnisse sowie eine veraltete Struktur der Kaufhausfläche (drei bis vier Etagen) sind oftmals die Ursache für die schleppenden Verkaufsprozesse. Ziel war es, die leer stehenden Hertie-Häuser bis spätestens Ende 2014 zu nutzen – diese Erwartung konnte allerdings nicht erfüllt werden.“

Rückgaberecht in Delmenhorst vor Verlängerung

Für das Haus in Delmenhorst läuft Anfang September das sechsmonatige Rückgaberecht ab, das sich der Investor Deutsche Immobilien Holding (DIH) hatte einräumen lassen – und voraussichtlich wird es um noch einmal sechs Monate verlängert. Grund sind nicht erwartete Umbau- und Abrisskosten.

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