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Delmenhorst Quergedacht: Bargeld lacht

Eine Kolumne von Marco Julius | 12.07.2017, 11:24 Uhr

Trödel-Shows laufen im Fernsehen wie geschnitten Brot. Die Sammelwut greift um sich. Und das auch bei der guten alten D-Mark.

Trödel-Shows im Fernsehen sind derzeit der Renner. Sie haben Koch-Sendungen den Rang abgelaufen. Die formidable Flitzpiepe Horst Lichter macht es daher richtig. Der buttrige Fernseh-Pfannenrührer liefert dem Publikum mit „Bares für Rares“ in Dauerschleife das, was es will. Krempel aus dem Keller, Trödel vom Dachboden, alles von anno Muff. Kaputte Kannen, löchrige Teddybären, Ölgemälde von drittklassigen Hobbymalern. Jeder glaubt, in seinem Sperrmüll einen Schatz zu bewahren. Wegschmeißen ist nicht. Man hortet, man sammelt, wer weiß, wann man es mal brauchen kann?

Die geliebte D-Mark

Nach diesem Motto gehen die Deutschen auch mit ihrer geliebten D-Mark um. Die Währung, die so hart war wie die Rente sicher. Scheine und Münzen im Gesamtwert von 12,67 Milliarden Mark sind laut Bundesbank aktuell noch im Umlauf. Liegen womöglich unter Kopfkissen, sind in Sofaritzen gerutscht, im Garten vergraben oder stecken in Sparschweinen. 6,48 Milliarden Euro versteckt oder vergessen. Was macht das in Schilling? Die Deutschen müssten ein Volk von Glückspilzen sein, sind doch allein 9,7 Milliarden Glückspfennige noch irgendwo in diesem Land zu finden. Der Heiermann, das alte Fünf-Mark-Stück, liegt so gut in der Hand. Den gegen Euro eintauschen? Oder gar den Groschen? Von wegen! Schon der alte Nestroy wusste, dass die Phönizier zwar das Geld erfunden haben, aber eben viel zu wenig davon. Und so halten die Deutschen fest an der guten alten Zeit, an Bimbes, Kies, Zaster, Tacken, Moneten, Flocken, Schleifen, Chips und Pieselotten. Ohne Moos nix los. Bargeld lacht. Lieber Kleingeld statt kein Geld. Und wenn man dann doch mal Geld unter die Leute bringt, dann für die GEZ – oder für Trödel.