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Delmenhorst Quergedacht: Dem Laub zeigen, was eine Harke ist

Eine Kolumne von Marco Julius | 11.10.2017, 12:09 Uhr

Wenn das Laub fällt, fällt es vielen auf die Nerven. Noch mehr nervt nur der Laubsauger. Eine neue Folge „Quergedacht“.

Was Bäume so fühlen und wie sie sich darüber austauschen, das weiß die Nation, seitdem Peter Wohllebens Buch „Das geheime Leben der Bäume“ in der Bestsellerliste Wurzeln geschlagen hat. Aber was fühlt der Mensch, wenn sich im Herbst das Laub der Bäume erst verfärbt, um dann in rauen Mengen herabzufallen und alles unter sich zu bedecken? Vergessen sind dann die deutschen Dichter und ihre Hymnen an den Herbst. Rilke ist kein Trost, wenn die frisch gefegte Auffahrt schon Sekunden später wieder von neuem Laub bedeckt ist. Laub, so wird jetzt Martina Borowski von der Baumzeitung zitiert, Laub setzt den modernen Menschen unter Druck.

Saugen oder blasen

Das die Begriffe Laub und laut nahezu gleich lauben, äh: lauten, kann dabei kein Zufall sein. Wenn der moderne Mensch Druck ablassen will, dann macht er das auf die moderne Art. Und die ist meist mit viel Geräusch verbunden. Was erlauben sich die modernen Menschen? Gut eine halbe Million Bundesbürger haben in den vergangenen Jahren ein Gerät gekauft, das je nach Bedarf saugen oder blasen kann, hat der WWF berechnet. Und so rauscht es mit über 100 Dezibel durch den Blätterwald, bevorzugt am Samstag, als hätte Presslufthammer-Bernhard Schicht..

Nun haben Bäume gegenüber den Menschen noch immer den Vorteil, dass sie auch in der Masse noch wunderschön sind. Aber Laub? „Todeskühl der Winter naht: Wo sind, Wälder, eure Wonnen?“, fragte der Dichter Nikolaus Lenau im 19. Jahrhundert. Mit Verlaub: Wo wohl? Auf dem Boden. Der Schwerkraft geschuldet. Sie verstopfen Gullys, bilden in Ecken bunte modernde Gebirgslandschaften, wehen in den Hausflur. Die Bäume laublos, das Kehren lautlos – das geht nicht mit dem Laubsauger. Mit dem Rechen lässt sich dem Laub besser zeigen, was eine Harke ist.