Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Delmenhorst Quergedacht: Die neuen Fackelmänner

Eine Kolumne von Marco Julius | 12.04.2017, 10:40 Uhr

Der deutsche Mann, er hat es schwer. Außen hart und innen ganz weich – das war einmal. Heute ist er nur noch weich. Wo kann er noch Mann sein?

Die ersten warmen Tage des Jahres haben wieder einmal gezeigt, dass man es drehen und wenden kann, wie man will: Der Mann hat seinen festen Platz am Grill. Dort steht er, dort grillt er, dort ist er ganz Mann, dort schweigt er. Vielleicht, weil er sich schämt, das kapitale Tier („Alles unter 500 Gramm ist nur Aufschnitt!“) nicht gleich selbst erlegt zu haben.

Und doch stirbt auch der schweigsame Griller langsam aus. Denn der neue Mann muss beim Bruzzeln seinen Grill permanent preisen. Alle Fackelmänner dieser Welt weben sich dabei ihre eigene Lobhudelei zusammen. Denn Grillen ist eine Wissenschaft geworden. Ein Gasgrill muss es sein, aufgemotzt mit allerlei Hightech. Wo der Mann früher archaisch Feuer machte und todesmutig in glühenden Kohlen stocherte, da steht nun ein futuristisch anmutender Apparat. Grillen in der Königsklasse, wie man es eher in Großküchen und Restaurants vermutet. Mit Temperaturregler, Drehspieß, direktem und indirektem Grillen: „Er kann auch Fisch und ganze Hähnchen!“ Die grillenden Männer loben ihre Allerskönner wie früher nur ihre dicken Autos. Sie kosten ja auch fast so viel. Sicher, es gilt: Lieber gemeinsam grillen als einsam schmoren. Aber will man hören, dass Deckel und Gehäuse aus stabilem Aluguss bestehen? Dass das integrierte Thermometer permanente Temperaturkontrolle garantiert? Dass die Zündung sicheres Zünden auch bei ungünstigen Wetterverhältnissen ermöglicht? Vor allem dann, wenn man ganz unmännlich noch auf einen kleinen Elektrogrill setzt?