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Delmenhorst Quergedacht: Freud und Leid beim Klassentreffen

Eine Kolumne von Marco Julius | 05.07.2017, 09:32 Uhr

Klassentreffen? Will man da eigentlich hin? Und wenn ja, warum? In der neuen Folge „Quergedacht“ macht sich Marco Julius so seine Gedanken.

Zum Klassentreffen? Wozu? In Zeiten sozialer Medien weiß ich doch auch so längst, wer alt und dick geworden ist. Fast jeder lässt sich googeln. Aber dann bin ich doch gespannt, ob der Vollpfosten, der mich 1992 nachtragend genannt hat, wohl auch kommt. Nichts wie hin also, obwohl ich fürchte, dass ich aus Mangel an Gesprächsstoff die gemeinsten Taktlosigkeiten und Indiskretionen begehen könnte. Kommt dann alles anders. Der Typ da am Eingang, gehört der zu meinem Abi-Jahrgang? Muss ja, aber wie hieß er noch? Erst mal die Hand schütteln, freundlich lächeln. „Mensch Alter, wie lang ist das her?“ – reicht aus als allgemeingültige Begrüßung.

Mit jedem Bier werden die Anekdoten lustiger

Schnell sitzen die zusammen, die schon damals zusammensaßen. Familienstand und Werdegang sind fix abgefragt. Mit jedem Bier werden die alten Anekdoten lustiger. Wie wir damals aussahen! Die Frisuren! Und heute: Die Akne weg, das Haar bei vielen Männern aber auch. Gleicht sich alles aus im Leben. Die Mein-Haus-mein-Auto-mein-Boot-Typen sind zum Glück zuhause geblieben. Und aus dem ewig nörgelnden Teenie-Mädchen von 1992 ist eine Iris-Berben-hafte Schönheit und Richterin geworden, die von innen derart strahlt, dass die Nacht taghell bleibt. Der Mitschüler, der damals mit seinem 2CV den größten Mist verzapft hat, fährt zwar nicht mehr Ente, hat aber heute paradoxerweise ein Versicherungsbüro. Das Leben entwickelt und ändert sich die ganze Zeit, deshalb müssen wir stets unsere Vorurteile gegen andere austauschen, hat Tomi Ungerer mal gesagt. Der Abi-Jahrgang 92 sieht sich 2022 wieder. Ich bin natürlich dabei.