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Delmenhorst Quergedacht: Hopfen und Malz ist verloren

Eine Kolumne von Marco Julius | 24.01.2018, 08:31 Uhr

Was ist nur los mit Deutschland? Früher, da lautete die Antwort auf die Frage nach den Trinkgewohnheiten hierzulande: Selten wenig – und wenn dann viel. Und jetzt? Alarm! Erneut ist der Bierabsatz in deutschen Landen gesunken.

Von wegen: Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils. Der Brauerbund spricht von einem „verregneten Jahr 2017“ und meint seine verhagelte Bilanz. Ein Rausch stellt sich so nicht ein in den Chefetagen der Brauereien. Überhaupt läuft bei den Deutschen mittlerweile einiges schief. Gewissheiten bröckeln. Deutschland hat stets stabile Regierungen? Im Moment findet sich irgendwie gar keine. Deutschland baut saubere Autos? Jaja. Auf Nichts ist mehr Verlass. In diesem Land ist sogar das Wetter noch schlechter als die Wettervorhersage. Und dass Deutschland ein Land der Dichter und Denker ist, lässt sich aktuell auch nicht mehr belegen – nicht nur beim Blick ins Dschungelcamp. Und mittlerweile kippt der Deutsche, einst ehrenvolles Mitglied einer Biernation, so alles mögliche in seinen Gerstensaft. Geht Zitronenlimonade für ein Alster grad noch durch, hört aber bei Bananensaft im Weizenbier der Spaß auf. Waldmeistersirup, Blutorange, Limette, Grapefruit, Energydrink – die Liste des Frevels ist lang und länger. Verführt von der TV-Werbung hat der Deutsche sogar jahrelang Weizenbier in den Bauchnabel von Frauen mit schlechtem französischen Akzent gefüllt, anstatt es zu trinken. Nur weil es so schön geprickelt hat. Dabei heißt es doch, dass Bier den Durst erst schön macht. Schlimmer noch als die Zugabe von Artfremden zum Bier ist der Trend zu alkoholfreiem Bräu. Ja, es gibt sogar Weizen-Grapefruit alkoholfrei. Wenn das Augustinus, Schutzheiliger der Bierbrauer, wüsste.