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Delmenhorst Quergedacht: Muskelspiel der Kavaliere

Eine Kolumne von Frederik Grabbe | 30.08.2017, 12:32 Uhr

Männer haben es schwer. Das hat nicht nur Herbert Grönemeyer erkannt, sondern legen auch diverse Studien nahe. Um Rosenkavaliere ist es dieser Tage darum schlecht bestellt. Doch es gibt sie noch, die letzten Galionsfiguren der ausgesuchten Höflichkeit gegenüber dem schwachen Geschlecht. Im Bremer Bürgerpark nämlich. Eine neue Folge Quergedacht.

Studien zufolge haben Männer besonders unter dem Strukturwandel und somit dem Verlust industrieller Arbeitsplätze zu leiden, können generell schlechter mit Jobverlusten umgehen und sollen neuerdings nicht nur die eigene Karriere voranbringen, sondern auch die Erziehung des Nachwuchses. Und zu guter Letzt wollen Frauen nun auch noch das gleiche Geld verdienen.

Bedenkt man dies, liegt der Schluss nahe, dass es um die Gattung des Rosenkavaliers heute schlecht bestellt sein muss. Gibt es sie noch, die Männer, die Frauen die Tür aufhalten, die Herren, die dem längst nicht mehr schwachen Geschlecht stets den Vortritt lassen? Ja, die letzten Galionsfiguren der Höflichkeit sind dieser Tage im Bremer Bürgerpark zu finden – in Holzbooten. Dort schuften sie an den Ruderbänken für ihr Herzblatt. Drei Typen lassen sich dort ausmachen: Da ist der Kraftmeier, der an den Ruderblättern volle Breitseiten abfeuert und sich und seine Liebste in einem Affenzahn über das Gewässer zerrt, stets ein leichtes Lächeln auf den Lippen frei nach dem Motto: „Das geht mir leicht von der Hand.“ Da ist der Leichtmatrose, der nach den ersten vier Metern auf dem kühlen Nass so heißläuft, dass er blank zieht und fortan oberkörperfrei ganz männlich die Muskeln spielen lässt. Dabei geht er an den Rudern derart geschickt vor, dass er den Kahn gleich mehrfach in den grünen Uferbehang setzt.

Und da ist der Verständnisvolle, der der Bitte seiner Holden und dem Ruf nach Gleichberechtigung folgt, indem er sie auch mal an die Riemen lässt. Da sie ja nicht in Fahrtrichtung blickt, gibt er dann mit Fingerzeig und -schnips in Liegeposition die Richtung vor und lotst sie durch die Wasserstraßen – zumindest so lange, bis die Angebetete merkt, dass dies ja viel bequemer ist und auf den Rollentausch drängt.

Kavaliere haben es schwer.