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Delmenhorst Quergedacht: Panoptikum des Grauens

Eine Kolumne von Marco Julius | 07.06.2017, 14:44 Uhr

Ein Panoptikum des Grauens, so muss man nennen, was in deutschen Büroküchen unter Kaffeebecher durchgeht.

In den bundesdeutschen Büroküchen begegnet einem tagtäglich so manch trübe Tasse. Schwamm drüber. Kommen wir lieber zum Thema Trinkgefäß. Denn dort liegt in den Büros auch einiges im Argen. Sammelsurium zu nennen, was in den Schränken seit Jahren ein Eigenleben führt, trifft es nur unzulänglich. Die kunterbunte Mischung der Kaffeebecher ist ein Panoptikum des Grauens. Alle Becher dieser Welt, die zu hässlich sind für den heimischen Gebrauch, leben in Büroküchen weiter. Henkel an Henkel stehen sie unkaputtbar da und schreien ihre Botschaften in die Welt.

Vorsicht vor der Diddl-Maus

Sie werben für Melli‘s Reitershop, nur echt mit dem falschen Apostroph, künden von längst vergangenen Bundesligameisterschaften, hauen einem eine im Netz bereits vergessene Firmen-URL um die Ohren, erinnern an „Die beste Mutti der Welt“, zeigen den gemeingefährlichsten Nager des Tierreichs – die Diddl-Maus – oder künden in allen Sprachen schlicht davon, was in den Becher – Überraschung – hineingehört: Kaffee, Coffee, Café, Java. Sie haben manchmal die Form einer Erdbeere oder sogar zwei Henkel, bei vielen ist die Farbe verblasst. Manche haben ein Design, als hätte ihr Schöpfer zu lang in den Becher geschaut. Und so wie manche trübe Tasse einen Sprung in der Schüssel hat, ist auch bei den Bechern oft der Lack ab. Das tägliche Umrühren und der Gang in die Spülmaschine hinterlassen Spuren. Aber wegwerfen? Kommt gar nicht in Frage. Zumindest in der Büroküche hat noch jeder alle seine Tassen im Schrank.