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Delmenhorst Quergedacht: Putzmunteres Völkchen

Eine Kolumne von Marco Julius | 09.08.2017, 08:28 Uhr

Der Mann von heute hat diese unbestimmte Angst, er könnte mit einem Wisch seine Potenz verlieren, nähme er nur einmal einen Putzlappen in die Hand.

Das ist mal eine saubere Umfrage: Drei Stunden und exakt 17 Minuten wendet der Deutsche pro Woche für das Putzen seiner Wohnung auf. Jetzt mag jeder in sich gehen und überprüfen, ob er oft genug den Feudel schwingt. Besonders putzig ist es, dass 21 Prozent der Befragten angeben, dass sie das Großreinemachen vor allem dann motiviert angehen, wenn die Eltern ihren Besuch ankündigen. Kommen hingegen die Schwiegereltern, greifen nur 13 Prozent extra zum Staubsauger. Wie sich die Hausarbeit auf die Geschlechter aufteilt, ist der Umfrage nicht zu entnehmen. Doch man darf sicher sein, dass das Putzen in vielen Haushalten an der Frau hängenbleibt – immer. Und immer ist echt oft. Manchmal räumen aber auch Männer auf. Joschka Fischer zum Beispiel gehörte einst – lange bevor er Außenminister wurde – zur Frankfurter Putzgruppe. Die hat in den siebziger Jahren hier und da mal feucht durchgewischt und auf den Putz gehauen, oft auch länger als drei Stunden und 17 Minuten die Woche. Aber danach musste immer jemand extra aufräumen. Sah nämlich dann oft aus wie bei Hempels unterm Sofa oder wie beim Häuptling hinterm Tipi. Die Jüngeren unter den Lesern können jetzt mal fix „Putzgruppe“ googeln.

Angst vor Potenzverlust

Männer waren früher auch gern Ausputzer. So hieß der Libero im Fußball, als es ihn noch gab, den freien Mann. Der Mann von heute hat noch immer diese unbestimmte Angst, er könnte mit einem Wisch seine Potenz verlieren, nähme er nur einmal einen Putzlappen in die Hand. Eine ganz andere Sache ist übrigens, dass die finnische Regierung Jahr für Jahr wieder mahnt: „Bitte keine alten Lappen wegwerfen!“