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Delmenhorst Quergedacht: Seeluft im eigenen Heim

Eine Kolumne von Marco Julius | 31.05.2017, 09:33 Uhr

Mückenstiche in der Kniekehle braucht kein Mensch. Erholung hingegen schon. Warum die sich auch im Urlaub nicht einstellt, darüber denkt Marco Julius in der neuen Folge „Quergedacht“ nach.

ach oben offen ist die Zahl der Dinge, die gegen unseren festen Willen geschehen. Mückenstiche in der Kniekehle, Helene Fischer in der Halbzeitpause, Sendungen mit dem netten Herrn Pflaume, Auslandsreisen von Präsident Trump, Fruchtfliegen auf dem Obst – to name but a few. Und doch geschehen diese Dinge immer wieder, meist dann, wenn man sie so gar nicht gebrauchen kann. Es ist wie mit dem Arbeiten oder dem Altern: alles eher unangenehm, letztlich aber wohl doch nicht zu verhindern. Und deshalb hat eine höhere Macht den Urlaub erfunden, damit der Mensch sich erholen kann von Dingen, die gegen seinen Willen geschehen. Vielleicht waren es auch die Sozialdemokraten, die den Urlaub als zeitlich begrenzte Lebensunglücksverdrängung ausbaldowert haben. Kommt jetzt auch nicht drauf an.

Schön ist es auf der Welt zu sein

Die Ferien jedenfalls gelten landläufig als die schönste Zeit des Jahres, das wusste schon Roy Black. Doch was belegen jetzt die neuesten Umfragen? Die Mehrheit der Deutschen braucht die ersten zwei, drei Tage des Urlaubs zum Abschalten und ist vier Tage nach dem Urlaub bereits wieder auf dem Stresslevel wie vorher. Verlorene Liebesmüh also! Die Gedanken an die Arbeit, die permanente Angst, etwas zu verpassen, der ständige Blicks aufs Handy: Der Deutsche ruft im Urlaub seine Arbeits-E-Mails ab, loggt sich mehrmals täglich in soziale Netzwerke ein und sorgt sich zudem um die Sicherheit seines Zuhauses. Da kann man besser gleich zuhause bleiben, sich einen Rollmops vor den Ventilator hängen und die frische Seeluft im eigenen Heim genießen.