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Delmenhorst Quergedacht: Wer pendelt, sündigt nicht

Eine Kolumne von Marco Julius | 05.04.2017, 09:32 Uhr

Der Durchschnittsdeutsche hat ein neues Lieblingshobby. Er pendelt. Also jetzt nicht auf die esoterische Art. Er pendelt zwischen Wohn- und Arbeitsort.

Der Durchschnittsdeutsche hat ein neues Lieblingshobby. Die Rede ist jetzt mal nicht von der Leidenschaft, in dieser Jahreszeit dürre Ästchen im Vorgarten mit bunten Plastikeiern zu behängen. Und auch nicht davon, den lieben, langen Tag über „die Ausländer“ zu schimpfen. Diese Steckenpferde belegen zwar seit jeher Spitzenplätze in der Hitparade der deutschen Hobbys – geschlagen aber werden sie noch vom neuen Spitzenreiter. Der Durchschnittdeutsche pendelt. Und das tun jetzt so viele Durchschnittsdeutsche wie nie zuvor. 16,8 Kilometer beträgt dabei die durchschnittliche Entfernung vom Wohnort bis zum Job. Das ist eine gute Nachricht. Wer zur Arbeit pendelt, der hat zumindest schon mal eine. Das war ja auch nicht immer so. Und wer viel Zeit im Auto oder in der Bahn verbringt, der kann auch deutlich weniger Unsinn machen. Bleibt ja kaum noch Zeit für Osterdeko und Stammtischreden, wenn man Hin- und Rückfahrt zusammenrechnet. Natürlich gibt es die Nörgler, die sagen: Hohe Mieten, knapper Wohnraum – da müssen die Arbeitnehmer, die ihre Arbeit geben, doch pendeln, um ihren Arbeitgeber, der die Arbeit nimmt, zu erreichen. Doch wer denkt an die, die mit Leidenschaft pendeln? Weil sie so weniger Zeit bei der lästigen Familie, beim schweißtreibenden Sport oder gar im Ehrenamt, wo sie Arbeit geben ohne Geld zu nehmen, verbringen müssen? Doch schon warnen Gesundheitsexperten: Je länger die Fahrtzeit der Erwerbstätigen, desto weniger Zeit bleibt zum Regenerieren. Doch das ist zu kurz gedacht. Schließlich kann man die Fahrten von der Steuer absetzen – und von dem Geld dann einen wunderschönen Wellnessurlaub finanzieren.