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Kostensteigerungen Delmenhorst soll komplett neues Krankenhaus erhalten

Von Frederik Grabbe | 25.02.2019, 19:03 Uhr

Beim Klinikneubau in Deichhorst läuft alles auf einen Neubau hinaus, und nicht mehr auf einen Teil-Neubau. Darüber ist die Politik am vergangenen Donnerstag informiert worden. Es zeichnen sich nun Mehrkosten ab. Das Land Niedersachsen will nun Gespräche anstoßen, um die Fördersumme zu erweitern.

Delmenhorst erhält ein komplett neues Krankenhaus. Und zwar ein eigenständiges und nicht eines, das baulich an die bestehenden Klinikgebäude in Deichhorst angeschlossen ist. Darüber ist am vergangenen Donnerstag die Delmenhorster Politik in einer nicht-öffentlichen Runde informiert worden. Über Zahlen ist da nicht gesprochen worden, berichteten Beteiligte gegenüber dem dk. Sicher dürfte sein, dass die Kosten für einen solchen Neubau weit über dem liegen, was dem Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) und der Stadt als Gesellschafterin durch den Fördermittelbescheid von 70 Millionen zur Verfügung steht.

Land: Teilneubau birgt nicht akzeptable Zwänge

Am Ende waren die Widrigkeiten eines Teil-Neubaus an der Wildeshauser Straße wohl zu groß. Das geht aus einer Stellungnahme des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung zum Thema hervor. Ursprüngliche Pläne hätten vorgesehen, dass dieser Teilneubau an einem Bestandsgebäude der Pflege des Krankenhauses angeschlossen wird, teilt Ministeriumssprecherin Stefanie Geisler mit. Dieses Konstrukt aber wäre "in seiner Gesamt-Grundrissform erheblich in seiner Funktion eingeschränkt" worden. Ein "moderner, ablauf- und prozessorientierter Behandlungspfad" für die Patienten des Krankenhauses wäre so nur eingeschränkt möglich gewesen. "Die sich daraus ergebenen Zwänge waren nicht akzeptabel", so Geisler. Der Höhenversatz des Geländes hätte den Anschluss eines rückwärtig gelegenen Bettenhauses über eine Brücke, so wie es zuerst geplant war, zudem schwierig gemacht.

Neubau soll auf Parkplatz entstehen

Ein vollständiger Neubau, so Geisler, lasse hingegen einen "idealen Betrieb" zu. Ein moderner, schneller Behandlungspfad solle – von der Notaufnahme, der Diagnostik, der Therapie bis zur Pflege – den Patienten zugute kommen, so Geisler. Ein weiterer Vorteil des Neubaus: Teilbereiche, die nicht unmittelbar für die Akutversorgung benötigt werden, wie etwa die Verwaltung oder die Palliativstation, könnten in Bestandsbauten wie dem Höger-Bau oder einem erhaltenswerten Bettenhaus untergebracht werden. Das bestätigt auch JHD-Geschäftsführer Florian Friedel auf Nachfrage. Wie der Neubau konkret aussehen soll, ist am Donnerstag nicht erörtert worden, sagten Beteiligte auf Nachfrage übereinstimmend. Auch Friedel äußerte sich zu Details auf Anfrage nicht genauer. Generell seien die Gespräche zwischen Vertretern des Krankenhauses, der Stadt und des Ministeriums "sehr konstruktiv und zielführend" verlaufen, eine "detaillierte Planung eines Neubaus" sei in dieser Runde erst vergangenen Mittwoch besprochen worden. Friedel bestätigte auf Nachfrage, dass der Neubau auf dem Parkplatz nahe der Wildeshauser Straße entstehen soll. Vor Baubeginn sollen neue Parkplätze geschaffen werden.

Land will mehr Fördergeld herausholen

Über die Baukosten, und damit zur Frage, was finanziell auf das JHD und die Stadt zukommt, gibt es noch keine sicheren Angaben. Laut Ministerium lag ein erster Entwurf am Standort Deichhorst bei 110 Millionen Euro, also deutlich über den 83 Millionen Euro, mit denen der frühere JHD-Geschäftsführer Thomas Breidenbach für die Stadtmitte in der Vergangenheit gerechnet hatte. Faktoren wie Gründung, Statik, technische Gewerke oder Planungsleistungen wie für Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Sanitärtechnik oder Elektro sind laut Giesler in dem ersten Entwurf noch gar nicht berücksichtigt worden. Hinzu kämen Baukostensteigerungen "von aktuell mehr als 6 Prozent pro Jahr". Die 110 Millionen Euro werden also nicht zu halten sein. Möglich scheint es aber, dass die Fördersumme von 70 Millionen Euro noch einmal ausgeweitet wird: Laut Giesler wird das Land diesen März Gespräche mit dem Bundesversicherungsamt (BVA) aufnehmen, "um die Möglichkeiten der erweiterten Förderung für das Projekt der Zusammenführung der Delmenhorster Kliniken aus dem Strukturfonds II zu erörtern", wie auch JHD-Geschäftsführer Friedel bestätigte.

Neubau schon zuvor Thema

Dass ein Neubau an der Wildeshauser Straße enstehen könnte, hatte sich bereits im vergangenen November in einer Sondersitzung des Rates angedeutet. Weil der Erhalt des schräg auf dem Gelände platzierten Bettenhauses zu kompomissbehaftet sei, seien die Planer aufgefordert worden, eine Planungsvariante für einen kompletten Neubau zu erarbeiten. Und schon zuvor hatte JHD-Geschäftsführer Friedel vor dem CDU-Stadtbezirksverband Nord von einem Neubau gesprochen, der mit einem Bettentrakt mit 350 Betten, einem Funktionstrakt und OP gefüllt werden soll.