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Delmenhorst und Dänemark Ein Stück Heimat an der fremden Schlossdecke

Von Dirk Hamm | 12.04.2015, 20:13 Uhr

An der Decke von Schloss Rosenborg in Kopenhagen ist das oldenburgische Wappen zu finden. Auch Delmenhorst unterstand einst der dänischen Krone.

In einer Feierstunde im Delmenhorster Rathaus ist am 16. Mai 1979 die Partnerschaft mit der dänischen Stadt Kolding begründet worden. Erste Beziehungen zwischen beiden Kommunen sind 1960 durch befreundete Kaninchenzüchtervereine geknüpft worden. Doch die Verbindungen zwischen Delmenhorst und Dänemark reichen viel weiter zurück, bis ins späte Mittelalter: 1448 gelangte der bisher über Delmenhorst herrschende Graf auf den dänischen Thron, und im 17. Jahrhundert wurde die Delmestadt gar Teil des skandinavischen Königreiches.

Noch heute sind bildliche Erinnerungen an diese Verbindung im königlichen Schloss in Kopenhagen vorhanden, weiß Claus Krumrei, der deutsche Botschafter in Dänemark: „Wenn man mal zur Decke hochschaut auf Schloss Rosenborg, ist man umgeben von Wappen der Herrschaften, die Dänemark früher einmal unterstanden. Dazu gehören beispielsweise Südschweden und die Stadt Kiel. Und man entdeckt darunter auch das Oldenburger Wappen.“

Claus Krumrei ist in Delmenhorst geboren und aufgewachsen. Die Ernennung zum Botschafter in Dänemark ist der vorläufige Höhepunkt seiner diplomatischen Karriere. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Dänemark bezeichnet der 60-Jährige, der am Max-Planck-Gymnasium sein Abitur gebaut hat, als „ausgezeichnet“ und „glücklich“, geprägt vor allem durch die engen wirtschaftlichen Verflechtungen und die Partnerschaft in EU und NATO.

1667 fällt Delmenhorst an die dänische Krone

Grundlage für diese praktisch reibungslose Nachbarschaft seien die Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955, die die beidseitige Minderheitenfrage regelte. Zehn Jahre zuvor endete die fünfjährige Besetzung Dänemarks durch Nazi-Deutschland, die einen dunklen Schatten auf das bereits durch den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 belastete Verhältnis der beiden Länder warf. „Die daraus resultierenden Vorbehalte saßen bei den Dänen lange tief“, sagt Claus Krumrei.

Viel weniger geläufig sei den Dänen die gemeinsame Geschichte vor 1864, bei der dynastische Verbindungen mit dem Hause Oldenburg eine wichtige Rolle spielten. Begründet wurde die oldenburgische Linie des dänischen Königshauses 1448 mit der Wahl des Grafen Christian VII. von Oldenburg und Delmenhorst zum dänischen König. Als Graf Anton Günther 1667 ohne einen legitimen Erben starb, fielen die beiden Grafschaften an die dänische Verwandtschaft. Erst 1773 wurde Oldenburg-Delmenhorst wieder selbstständig.