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Delmenhorst und umzu verlieren 4,5 Stellen Kirchenkreis plant für Zukunft mit weniger Pfarrern

Von Sonia Voigt | 19.05.2019, 15:07 Uhr

Delmenhorst/ Landkreis Oldenburg Wie immer weniger Pfarrstellen künftig auf die Gemeinden und Aufgaben im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Delmenhorst/ Oldenburg-Land verteilt werden sollen, hat dessen Kreissynode am Freitag im Gemeindehaus der Kirchengemeinde Heilig-Geist in Delmenhorst beschlossen.

Das Kirchenparlament habe „lebhaft und sachlich“ diskutiert, berichtet der Öffentlichkeitsbeauftragte des Kirchenkreises Pastor Udo Dreyer. „Jetzt sind wir weiter als alle anderen Kirchenkreise“, lobte der Vorsitzende der Kreissynode Dr. Detlev Lauhöfer.

Weil erwartet wird, dass der Kirchenkreis von aktuell rund 87000 Gemeindegliedern bis zum Jahr 2030 auf 71000 schrumpft und zugleich die Finanzen und der Pfarrernachwuchs zurückgehen, soll auch die Zahl der Pfarrstellen von 33 auf dann 28,5 sinken. Einen Antrag, der alle Stellen bei den Gemeinden belassen wollte, lehnten die Synodalen ab.

Springerkräfte sollen bei Vakanzen helfen

Mit breiter Mehrheit stimmten sie für den Antrag von Pastor Dietrich Jaedicke aus Großenkneten. Er sieht zwei Funktionspfarrstellen vor, über deren Verwendung der Kreiskirchenrat flexibel entscheiden kann. Diese könnten zum Beispiel als Springerkräfte genutzt werden, wenn 2023 acht Pfarrer zugleich in den Ruhestand wechseln und ihre Stellen nicht gleich wieder besetzbar sein sollten, erklärt Dreyer und spricht von einem „Beschluss mit Weitblick“.

Benachbarte Gemeinden arbeiten zudem künftig in sogenannten Entwicklungsräumen zusammen, vertreten sich etwa bei Vakanzen oder kooperieren bei Projekten. Dies gilt zum Beispiel für alle Delmenhorster Gemeinden plus Stuhr und Varrel. Andernorts bestehen Entwicklungsräume aber auch nur aus zwei Gemeinden. Sie alle sollen Mitglieder in eine Arbeitsgruppe entsenden, die über Ziele und vorrangige Handlungsfelder für den Kirchenkreis berät.

Prävention sexualisierter Gewalt im Fokus

Auf die Trauung für alle und die Prävention gegen sexualisierte Gewalt legte Kreispfarrer Bertram Althausen den Fokus in seinem Bericht aus dem Kirchenkreis. Homosexuelle Paare könnten sich jetzt innerhalb der Oldenburgischen Kirche nach einem Beschluss der Gesamtsynode kirchlich trauen lassen, berichtete Althausen – „und die ersten haben das bereits getan“. Zudem strebe die Oldenburgische Kirche eine Null-Toleranz-Politik bei sexualisierter Gewalt an. „Wir wollen sexualisierter Gewalt vorbeugen und sie verhindern“, erklärte Althausen. In der Vergangenheit sei das nicht immer gelungen. In Kindergärten, Jugendarbeit und Kirchenmusik gebe es bereits „Konzepte und Schulungen zur Sensibilisierung und Prävention“. Diese sollen ausgebaut und auf weitere Bereiche wie Gemeindearbeit und pfarramtlichen Dienst übertragen werden.

Darüber hinaus lobte Althausen die „Strahlkraft“ der kreativen und vielfältigen Kirchenmusik sowie die wichtige Arbeit von Altenheim-Seelsorgern und Gemeindepastoren in Pflegeeinrichtungen.