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Delmenhorst wird 1915 Garnison Erste öffentliche Siegesfeier im Fackelschein

Von Dirk Hamm | 24.08.2015, 19:06 Uhr

Am 31. August 1915 zogen Soldaten in langen Kolonnen in die Stadt ein. Delmenhorst war ein Jahr nach Beginn des Ersten Weltkriegs Garnisonsstadt geworden.

Mit großem Enthusiasmus haben die Menschen in Deutschland im August 1914 die sich überschlagenden Nachrichten vom Ausbruch des Krieges wahrgenommen. Zusammen mit der Donaumonarchie, dem Verbündeten Österreich-Ungarn, ging es gegen die anderen Großmächte Europas – das „reinigende Gewitter“ war gekommen, und kaum ein Zweifel bestand daran, dass man zu Weihnachten die siegreichen Soldaten wieder würde zu Hause begrüßen können.

Daraus wurde nichts: Vor 100 Jahren, im August 1915, war der Erste Weltkrieg bereits ein Jahr alt, und nach dem anfänglichen schnellen Vormarsch Richtung Paris war das Kampfgeschehen längst in einem mörderischen Stellungskrieg erstarrt.

Per Extrablatt verbreitete sich Kunde vom Fall Brest-Litowsks

„Ein Jahr heldenmütigen Kampfes“ titelte das Delmenhorster Kreisblatt am 1. August 1915 über einem Leitartikel voller Pathos. Immer wieder von der Heeresführung ausgegebene kleinere Siegesmeldungen nährten in der Heimat die Hoffnung, dass nun eben mit längerem Atem der Sieg der eigenen Truppen in Reichweite komme.

Und tatsächlich wurden im Verlaufe des August 1915 aus deutscher Sicht ermutigende Erfolge im Osten erzielt. Am 26. August machte per Extrablatt die frohe Kunde in der Stadt die Runde, dass Brest-Litowsk soeben eingenommen worden sei. „Bald wehten von allen Häusern der Hauptstraßen die Fahnen“, berichtete das Kreisblatt anschließend. Kurz zuvor war der Beschluss gefasst worden, den nächsten größeren Sieg erstmals im großen Stil öffentlich zu feiern. So zogen nun abends im Fackelschein Jugendwehr, Feuerwehr, Vereine und Schulen in Gruppen zum Marktplatz, um den militärischen Erfolg hochleben zu lassen.

Die Kehrseite der gewaltigen Kriegsanstrengungen war am Jahrestag des Kriegsausbruchs ebenfalls im Kreisblatt abzulesen: Bedrückend lang ist die Liste der jungen Männer aus Delmenhorst und umzu, die im ersten Kriegsjahr getötet worden waren.

Für die einziehenden Soldaten waren keine Kasernen vorhanden

Wie stark alles Militärische in dieser Zeit das öffentliche Leben und den Alltag der Menschen bestimmte, wurde eindrucksvoll sichtbar, als am 31. August 1915 Kolonnen von Soldaten vom Bahnhof aus durch die Innenstadt zogen, begrüßt von der Menge, die den Straßenrand säumte. Schon lange zuvor hatten die Stadtväter den Wunsch an die Obrigkeit gerichtet, Delmenhorst möge Garnisonsstadt werden, jetzt ging er in Erfüllung. Das 4. Landsturm-Infanterie-Bataillon X/19 mit seinen vier Kompanien wurde von Hannover nach Delmenhorst verlegt.

Dabei waren hier gar keine Kasernen vorhanden: Die 450 Soldaten wurden in den Sälen des Schützenhofes an der Cramerstraße, des Fitgerhauses am Markt sowie in anderen Gaststätten einquartiert. Diese Episode in der Geschichte Delmenhorsts endete mit der Demobilisierung nach dem Kriegsende 1918.