Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Delmenhorster Arbeitsmarkt Langzeitarbeitslose profitieren kaum von guter Konjunktur

Von Frederik Grabbe | 07.08.2017, 12:45 Uhr

Wer länger als ein Jahr arbeitslos ist, hat schlechte Chancen, einen Job in der freien Wirtschaft zu finden. Das gilt bundesweit – und ganz besonders für Das zeigen Zahlen der Agentur für Arbeit sowie des Delmenhorster Jobcenters.

Der Jobmotor brummt in Deutschland. Mit 2,473 Millionen Arbeitslosen waren zuletzt so wenige Menschen in der Bundesrepublik laut Agentur für Arbeit arbeitslos wie 1991. Sozialverbände allerdings kritisierten, dass Langzeitarbeitslose von der guten Konjunktur kaum etwas abbekommen. Bundesweit beendeten nur 12,2 Prozent der Langzeitarbeitslosen ihre Arbeitslosigkeit, indem sie einen Job im ersten Arbeitsmarkt ergriffen.

Lage in Delmenhorst sieht deutlich schlechter aus

Noch düsterer sieht es aus, blickt man auf die Delmenhorster Zahlen. 1588 Langzeitarbeitslose zählte das Jobcenter Delmenhorst laut dem Leiter Frank Münkewarf zuletzt im Juni. Zwar hat ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr um fast 100 abgenommen, doch nur 5,8 Prozent konnten einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt finden – das ist um die Hälfte weniger, als im Bundesschnitt.

Ähnlich stellen sich die Zahlen für Kurzzeitarbeitslose dar: In Deutschland beendete jeder Dritte, der weniger als zwölf Monate ohne Arbeit war, mit einem Job am ersten Arbeitsmarkt seine Arbeitslosigkeit. In Delmenhorst war es nur jeder Siebte (13,6 Prozent). Wieder ist die Quote um die Hälfte schlechter. In Delmenhorst betrug die Arbeitslosigkeit im Juli 2017 10,6 Prozent.

 (Weiterlesen: 9800 Minijobs in Delmenhorst: Gefangen in der Strukturschwäche) 

Zahl der Langzeitarbeitslosen in Delmenhorst wird wohl wachsen

Auch wenn sich die Gesamtzahl der Langzeitarbeitslosen in der Stadt zuletzt gemindert hat, erwartet der Geschäftsführer eine baldige Zunahme. „Es ist davon auszugehen, dass der Bestand wieder ansteigen wird.“ Dies erklärt Münkewarf mit der deutlich gestiegenen Zahl an Flüchtlingen, denn es gebe Wartezeiten für die Teilnahme an Integrationskursen – in denen die Menschen nicht mehr als arbeitslos geführt würden. Zudem seien bei Flüchtlingen Familiennachzüge zu erwarten.

Wer sich entsprechend fortbildet, hat gute Chancen

Ungeachtet dieser Erwartung betont Münkewarf aber, dass die Chancen für Langzeitarbeitslose dann am besten stehen, wenn sie eine fachbezogene Qualifizierung vorweisen können. „Die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen des Jobcenters bieten ausreichend Möglichkeiten, diese zu erwerben.“ Dass Arbeitskräfte in Delmenhorst oder in pendlernahen Städten wie Bremen oder Oldenburg generell gesucht sind, betont Münkewarf ebenso – es müsse aber das Anforderungsprofil passen.

Viele haben gar keinen Berufsabschluss

In diesem Zusammenhang sind zwei Zahlen aus dem Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2017/2018 des Delmenhorster Jobcenters interessant: 71 Prozent aller Jobcenterkunden, im Juni wurden rund 8000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte gezählt, haben demnach keinen Berufsabschluss. Nur 11 Prozent weisen „marktnahe Bewerberprofile“ auf.

Kleinteilige Vermittlung ist erfolgreicher

Wie erfolgreich das Jobcenter in kleinteiliger Arbeitsvermittlung ist, lässt sich am Beispiel des Progamms Netzwerk ABC belegen: In sehr engem Kontakt wird hier die Jobsuche begleitet. Drei Mitarbeiter kümmern sich darin jeweils um 50 Langzeitarbeitslose. 2016 fanden über das Programm 95 von ihnen einen Job im ersten Arbeitsmarkt, 2017 waren es bislang schon 55.

Zum Vergleich: Ein normaler Arbeitsvermittler beim Jobcenter in Delmenhorst betreut im Schnitt 200 Kunden. Laut Münkewarf fanden über diese Betreuung innerhalb eines Jahres zwischen April 2016 und März 2017 rund 200 Langzeitarbeitslose einen Job im ersten Arbeitsmarkt.