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Delmenhorster Autohaus Handtaschen beschäftigten Gericht in Untreueprozess

Von Ole Rosenbohm | 23.11.2018, 20:38 Uhr

Keine Beilage eines Modemagazins, sondern Teil der Prozessakten: Um das „Sonderheft Handtaschen“ ging es am Freitag unter anderem im Strafprozess gegen eine 40-Jährige am Oldenburger Landgericht. Sie war Buchhalterin in einem Delmenhorster Autohaus.

Sie soll 2013 als Buchhalterin in einem Delmenhorster Autohaus mehrere hunderttausend Euro unterschlagen haben (dk berichtete). Neben Reisen und Autos soll sie sich davon auch Luxus-Handtaschen gegönnt haben.

Autohaus verkaufte Handtaschen

Die Handtaschen konnte das Autohaus zu Geld machen, nachdem die Angeklagte im April 2014 – am Tag ihrer Entlassung – ein Schuldanerkenntnis über 403.000 Euro unterschrieben hatte. Für knapp 10.000 Euro wurde der Schwung Luxusartikel versteigert. 150.000 kamen noch aus dem Verkauf eines Grundstücks zusammen. 160.000 Euro also sind zurückgezahlt, ist jetzt nach der Vernehmung des aktuellen Geschäftsführers des Autohauses klar.

Zehntausende fehlen

Ansonsten fehlt viel. Ein beschlagnahmtes Auto, Wert 57.000 Euro, musste dem Ehemann der Angeklagten zurückgegeben werden. Ein anderes soll von der Staatsanwaltschaft vor Jahren „notveräußert“ worden sein, um einen Wertverlust abzufedern. Beim Autohaus ist das Geld allerdings nicht angekommen.

Grundstücke sollen veräußert werden

Auch soll nur noch eine Unterschrift unter einen bereits beschlossenen Vergleich fehlen: Zu den gezahlten 160.000 sollten 80.000 Euro aus dem Verkauf eines weiteren Grundstücks kommen, der Rest dann in Raten gezahlt werden. Geführt worden seien die Gespräche, nur unterschrieben worden ist nichts.

Urteil zieht sich seit Jahren hin

Es steht auch ein Urteil in einem Zivilprozess vor dem Landgericht aus. Die Firma hatte die Angeklagte verklagt und gewonnen. Dann aber wurde das Urteil in der Berufung vom Oberlandesgericht ans Landgericht zurückverwiesen. Zwei weitere Verhandlungstermine vor dem Landgericht platzten, weil die Beklagten nicht erschienen. Gegen ein Versäumnisurteil wurde Einspruch eingelegt. Auf diesem Stand verharrt der Prozess jetzt – fünf Jahre nach den Taten.

Prozess kostet Kraft und viel Geld

Allen Beteiligten kostet der Streit ums Geld Nerven, wird deutlich. Der Beklagten, die mit ihrem Ehemann um eine Perspektive kämpft, ebenso wie den Verantwortlichen des Autohauses. Teuer ist er auch: Alleine die Anwalts- und Gerichtskosten hätten bereits einen hohen fünfstelligen Betrag aufgefressen, sagte der Geschäftsführer. Und: „Ich sehe nicht, dass wir die volle Summe zurückbekommen.“