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Delmenhorster Autohaus im Fokus Urteil im Untreue-Prozess gegen 40-Jährige steht bevor

Von Ole Rosenbohm | 03.12.2018, 19:35 Uhr

Delmenhorst/Oldenburg Im Untreue-Prozess gegen eine 40-Jährige, die ein Delmenhorster Autohaus an den Rand des Ruins getrieben hat, soll am 6. Dezember das Urteil fallen.

Die Angeklagte hatte am Montag bereits ihr Geständnis abgelegt. Da stellte der Vorsitzende Richter Horst Kießler noch eine wichtige Frage an die 40-Jährige, die ihren ehemaligen Arbeitgeber, ein Delmenhorster Autohaus, in nur einem Jahr in 17 oder 19 Fällen um mehrere hunderttausend Euro betrogen hatte: „Warum?“ Und weiter: „Was haben Sie eigentlich mit dem Geld gemacht?“

Wie ein Alkoholiker mit voller Flasche

Nach den Einlassungen und einer zuvor durch Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft getroffenen Einigung über den Strafrahmen war das keine entscheidende Frage mehr, aber doch eine menschliche, fand auch der für seine Mandantin antwortende Bremer Rechtsanwalt Carsten Scheuchzer. Er wählte das Bild eines Alkoholikers, dem man eine Flasche hinstellt: „Es war einfach, es ging gut, dann hat man den nächsten Schluck genommen, und wieder den nächsten.“ Und weil sie über ihren gut verdienenden Ehemann ohnehin hohen Lebensstandard gewöhnt war, wurden die Autos nur noch etwas dicker und zum Shopping ging es auch mal nach Dubai oder New York. Luxus mit schlechtem Gewissen: Sie hätte immer gewusst, dass sie auffliegen würde. Als es dann vorbei war, sagte Scheuchzer, sei sie eigentlich ganz froh gewesen.

In zwei Fällen die Anklage eingestellt

13 Mal hatte die Angeklagte 2013 und 2014 in ihrer Funktion als Buchhalterin Bareinnahmen nicht oder nur teilweise bei der Bank eingezahlt, sie hatte sich Gelder überwiesen, Quittungen und Überweisungsträger falsch ausgestellt oder gefälscht, gab sie zu. Zwei angeklagte Fälle wurden eingestellt.

Schaden soll bei mehr als 400.000 Euro liegen

Insgesamt soll ein Schaden von über 400.000 Euro entstanden sein. Mindestens 220.000 habe sie selber eingenommen, sagt die Staatsanwaltschaft. Ganz genau sind die Zahlen also nicht, es reichte aber offenbar, die Firma fast in den Konkurs zu treiben. Das sagte ein Zeuge aus, der damals die Bücher geprüft hatte: Neuwagenverkauf, Teile-Handel und Werkstatt hätten gute Zahlen produziert, die Personalkosten seien nicht gestiegen, und doch hätte die Zahlungsunfähigkeit gedroht. Das Loch war die neue Angestellte.

Höhe des Strafmaßes entscheidet

Am Donnerstag dieser Woche wird Kießler das Urteil verkünden. Weil das Geständnis keine Frage offen ließ, wird sich die Strafe im Rahmen der den Prozess verkürzenden Einigung bewegen: drei Jahre und elf Monate bis vier Jahre und fünf Monate Gefängnis. Der Unterschied ist – so marginal er erscheint – für die Angeklagte entscheidend. Denn bei einer Haftstrafe von bis zu vier Jahren hat sie die Chance auf offenen Vollzug, könnte sich weiter um Kinder, ein krankes Familienmitglied und ihren Job kümmern.