Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Delmenhorster Café schließt Abschied von „Jolas Café“ fällt emotional aus

Von Sonia Voigt | 25.10.2016, 15:27 Uhr

Gastronomin Jola Münzenberg hat sich am Dienstag schweren Herzens vom Inventar ihres Cafés im Haus Hohenböken getrennt. Kunden trauerten um „das letzte Café in Delmenhorst“.

Schweren Herzens, aber herzlich wie immer hat sich Jolanta Münzenberg am Dienstag vom Inventar ihres Cafés im Haus Hohenböken getrennt. „Es ist traurig, mit jedem Stück, das geht“, sagt die vielen Delmenhorstern als Jola bekannte Gastronomin. Eine Träne kullert ihr über die Wange, während sie für einen der rund zwei Dutzend Ausverkaufs-Stöberer Sektgläser und Kaffeekännchen in Zeitungspapier einrollt. Aus gesundheitlichen Gründen muss sie das Traditions-Café früher als geplant aufgeben. Doch auch am letzten Tag versucht sie, das Positive zu sehen: „Ich freue mich über jede Kleinigkeit, die einen netten neuen Besitzer findet.“

Stammgäste schätzten gemütlich-plüschige Atmosphäre

„Das ist ein komisches Gefühl, denn eigentlich sollte das Café unser letzter Standort vor der Rente sein“, beschreibt Mitarbeiterin Kerstin Chylek im Ausverkaufstrubel die Stimmungslage bei ihr selbst und ihrer Chefin. Seit Jahren arbeitet sie in der Gastronomie und hat das Publikum und die gemütlich-plüschige Atmosphäre in „Jolas Café“ lieb gewonnen. Den Stammkunden konnte sie längst ohne Nachfrage das passende Frühstück servieren. „Viele haben gesagt: da schließt das letzte Café in Delmenhorst, jetzt gibt es nur noch Bäcker“, bedauert Chylek.

Mitarbeiterinnen und Stammgäste haben Erinnerungsstücke ausgesucht

Ähnlich sieht es die inzwischen nach Varrel verzogene Delmenhorsterin Susanne Zander: „Ich bin gerne zum Frühstück hergekommen. So eine gemütliche Traditionsadresse wird hier fehlen“, sagt sie. Ein altes Bild im Goldrahmen und einen Warsteiner-Kelch nimmt sie zur Erinnerung mit. Auch Jola Münzenberg selbst, ihre Mitarbeiterinnen und Stammgäste haben sich ein paar Erinnerungsstücke gesichert. „Weihnachten und Ostern haben wir immer alle zusammen geschmückt, jetzt haben wir die Deko verteilt“, sagt die Gastwirtin.

Gesundheit erlaubte Fortsetzung bis April nicht mehr

Eigentlich wollte Jola Münzenberg in dem von ihrem Ex-Mann Wolfgang Münzenberg Ende 2013 für sie gepachteten Café zumindest noch bis April durchhalten und weiter nach einem Nachfolger suchen. „Aber es ist schwer, jemanden zu finden, wegen der fehlenden Außenbewirtschaftung, aber auch weil viele Angst vor einem Neuanfang in der Gastronomie haben“, sagt die frühere „Spieker“- und „Mikado“-Wirtin. Nun sei sie aber gesundheitlich so angeschlagen, dass es nicht mehr weiterging. Die Räume wird die im selben Gebäude beheimatete Agentur Borgmeier künftig für Büros nutzen.

„Ich will jetzt erstmal das hier abschließen und mich auf mich konzentrieren“, denkt Jola Münzenberg voraus und rollt derweil einen roten Marienkäfer für eine Käuferin in Papier ein. „Der soll ihnen Glück bringen“, gibt sie der Unbekannten mit auf den Weg, als sie ihr das kleine Paket in die Hände drückt – „davon wünsche ich Ihnen auch ganz viel“, bekommt sie zum Abschied aus dem Café-Geschäft zurück.