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Delmenhorster Chemiker warnt „Lebensgefährliche Baustoffe stecken in vielen Gebäuden“

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 26.10.2016, 08:33 Uhr

Der Delmenhorster Chemiker Gary Zörner ist als Kritiker und Mahner in Fragen gesundheitlicher Risiken bekannt. Am Dienstag warnte der Chef vom Labor für Chemische und Mikrobiologische Analytik (Lafu) vor dem Arbeitskreis Umwelt der IHK Oldenburg vor chemischen Belastungen in Räumen, Schimmelpilzen und den Folgen von Asbest.

„40 Millionen Wohnungen in Deutschland sind asbestverseucht“, klagte Zörner an und erhebt massive Vorwürfe gegen die Politik, die ein Asbestverbot auch nach Bekanntwerden der Gefahr durch die Faser erst 1993 durchgesetzt hatte. „Das wurde alles unter den Teppich gekehrt“, sagte Zörner über die Risiken. Asbest habe sich bis zu seinem Verbot 1993 in Putz, Spachtelmasse und Fliesenkleber befunden. 15000 bis 200000 Menschen würden laut Lafu-Chef jedes Jahr aufgrund von Asbest erkranken.

Viermal im Jahr treffen sich Mitglieder des IHK-Arbeitskreises Umwelt und setzen sich „mit allem, was in Gebäuden krank machen kann“ auseinander. Zörner und seine Kollegin Renate Seyfert referieren und beraten, im Anschluss wird über die Themen diskutiert.

Gefahr durch Asbest, Schimmel, PCB

Nicht nur auf die Gefahr von Asbest weisen die Fachleute hin, so seien unter anderem auch Schimmelpilze und PCB Gefahren, die sich in Innenräumen befänden. Schimmelpilze müssten nach dem Auftreten gänzlich aus Häusern entfernt werden. Die Folgen von Schimmel können von Alzheimererscheinungen bis zu Krebserkrankungen reichen. „Schimmel ist genauso tödlich wie Asbest und muss nach gleichen Maßstäben entfernt werden“, erklärte Zörner. Eine chemische Behandlung von Schimmel hätte noch schlimmere Folgen.

PCB-Chlorverbindungen wurden bis in die 1980er beispielsweise in Lacken, Isoliermitteln und Kunststoffen verwendet. „14 000 Schulen in Deutschland sind heute noch mit PCB verseucht“, prangerte der Lafu-Chef an und berichtet von eine Schule, an der aufgrund des PCBs im Gebäude sechs Lehrer an Leberkrebs erkrankten.

Zusammenwirken bei Grenzwerten nicht beachtet

Bei der Festlegung von Grenzwerten kritisiert Gary Zörner die Nichtberücksichtigung vom Zusammenwirken verschiedener Stoffe. Einige Stoffe stellen einzeln erfasst nur eine geringe Gefahr dar, werden aber in Kombination mit anderen Stoffen zum Krankmacher. „Jedes kleinste Teil einer krebseregenden Substanz sollte vermieden werden“, fordert der Lafu-Chef.

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