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Delmenhorster Drogenberatung hilft Jeder zehnte Jugendliche von Onlinesucht bedroht

Von Thomas Deeken | 09.02.2015, 16:46 Uhr

Rund neun Prozent der 14- bis 16-jährigen Jugendlichen zeigen ein abhängiges Verhalten bei der Internetnutzung. Das haben Henning Fietz und Tim Berthold von der Anonymen Drogenberatung Delmenhorst (drob) am Montag bei der Vorstellung der dritten Delmenhorster Schülerstudie des Aktionsbündnisses „Riskanter Konsum“ betont. Mit diesen Zahlen liege Delmenhorst im bundesweiten Trend.

Passend zum weltweiten „Safer Internet Day“ am Dienstag, 10. Februar, informierten die beiden Berater außerdem über das Projekt „Log out – Unabhängig im Netz“. Ein Projekt, das seit einem Jahr in Delmenhorst läuft und Betroffenen und Angehörigen helfen soll, wenn es um den problematischen oder sogar abhängigen Medienkonsum geht. ( Weiterlesen: „YouNow“: Experten warnen vor sexueller Belästigung ›› )

Fietz und Berthold, die mehr als 2100 Jugendliche der Klassen acht bis elf aller Schulen anonym befragt haben, wollen in den Schulen und Jugendhäusern Präventionsarbeit leisten. Außerdem möchten sie bei Elterabenden und in Workshops über die Problematik des Internetkonsums diskutieren, Verhaltensweisen aufzeigen und Tipps geben, wie man junge Menschen schützen kann und wie Eltern möglicherweise einen besseren Zugang zu ihren Kindern bekommen, damit eine Abhängigkeit gar nicht erst entsteht. Darüber hinaus werden auch Gespräche in der Beratungsstelle an der Scheunebergstraße 41 angeboten. Das bedeutet: Sollten Erwachsene Auffälligkeiten bei ihren Kindern entdecken, kann Berthold als Fachkraft für Medienabhängigkeit weiterhelfen. Und auch betroffene Jugendliche können das direkte Gespräch in der drob suchen.

Laut Studie gibt es weder bei den Schulformen noch zwischen den Jugendlichen auf dem Land oder in der Stadt Unterschiede. Dagegen sei auffällig, dass bei den 14- bis 16-Jährigen mehr Mädchen (9,5 Prozent) als Jungen (7,9 Prozent) Probleme hätten. Diese Jugendlichen, von denen inzwischen fast alle über ein Smartphone mit Internetverbindung verfügen, seien zwar noch nicht unbedingt abhängig. Der Weg könne aber schnell in eine Abhängigkeit führen. „Und ohne therapeutische Hilfe kommt man da nicht mehr raus“, weiß Fietz.

Als Risikofaktoren gelten nach Angaben der beiden Suchtberater Depressivität, geringes Vertrauen in die Mitmenschen, stark ausgeprägtes Zugehörigkeitsbedürfnis und die verstärkte Neigung, Aufgaben aufzuschieben oder gar nicht mehr zu erledigen. Viele Betroffene hätten außerdem Probleme, aufmerksam zu sein und Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Für diese gefährdeten jungen Menschen und für deren Angehörige seien die kostenlosen Angebote der drob gedacht. „Allerdings kommen immer noch zu wenige auf die Idee, bei Medienproblemen in die Drogenberatung zu kommen“, bedauert Fietz.