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Delmenhorster Eltern sollen mehr zahlen Kostenanstieg löst Diskussion um Kita-Mittagessen aus

Von Sonia Voigt | 30.08.2017, 11:22 Uhr

Zum zweiten Mal in nicht ganz zwei Jahren sollen die Elternbeiträge für das Kita-Essen in Delmenhorst erhöht werden. Trotz Verständnis für steigende Lebensmittel- und Personalkosten gibt es Kritik an der Belastung für Eltern und der Essensqualität.

Als „zwiegespalten“ beschreibt der Stadtelternrat der Kindertagesstätten seine Position zur geplanten Erhöhung der Elternbeiträge für das Mittagessen in den Delmenhorster Kitas und auch in der Politik herrscht teilweise Unwohlsein über den zweiten Anstieg in nicht einmal zwei Jahren. Auf Vorschlag der Trägerarbeitsgemeinschaft der Kindertagesstätten sollen Eltern ab Oktober monatlich fünf Euro mehr für das Mittagessen ihrer Kinder zahlen. Damit würden für Krippenkinder 50 Euro monatlich anfallen, im Kindergarten 55 und im Hort 60 Euro. Der Jugendhilfeausschuss stimmt am Dienstag, 5. September, darüber ab, letztendlich entscheidet der Stadtrat am 12. September.

Eltern fordern mehr Qualität bei Preiserhöhung

Die vorangegangene Erhöhung Anfang 2016 (von 42 auf 45 Euro in der Krippe und 50 Euro im Kindergarten sowie von 48 auf 55 Euro im Hort) hatte der Kita-Stadtelternrat noch mitgetragen. „Wir verstehen die Argumentation mit gestiegenen Lebensmittel- und Personalkosten und dass es so nicht mehr kostendeckend ist“, sagt Elternratsvorsitzender Marco Roselius, „aber wenn der Preis steigt, sollte auch das Essen hochwertig sein“. Das sei auch der Tenor einer Umfrage auf der Elternrats-Facebook-Seite, bei der 75 Prozent der teilnehmenden 40 Eltern angaben, sie würden die Kostenerhöhung mittragen, aber nur, wenn die Qualität des Essens steigt.

Positive Erfahrungen mit eigener Küche in St. Christophorus

„Natürlich ist das keine repräsentative Umfrage“, sagt Roselius. Doch es werde deutlich, dass es neben guten Caterern solche gebe, mit denen Kinder und Eltern unzufrieden sind. Catering-Firmen versorgen fast alle Delmenhorster Kitas, nur im Waldorfkindergarten und in der Kita St. Christophorus wird selbst gekocht. „Damit haben wir über all die Jahre positive Erfahrungen gemacht, weil wir so direkt auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen können, von Allergien bis zu religiösen Besonderheiten“, erklärt Kita-Leiterin Käthe Seltenhorn. Koch Olaf Mielcarek und sein Team bekochen täglich 110 Kita-Kinder und noch 25 bis 75 Mahlzeiten für den „Stars for Kids“-Kindermittagstisch in Jugendhäusern. Die Elternbeiträge sind in St. Christophorus dieselben wie überall. „Die steigenden Lebensmittelkosten merken wir auch“, bestätigt Seltenhorn.

Preisanstieg soll Defizit verhindern

Gesunde, ausgewogene und kindgerechte Ernährung sei in allen Kitas ein wichtiges Thema, heißt es dazu in der Verwaltungsvorlage für den Jugendhilfeausschuss: „Insbesondere wird darauf geachtet, dass Obst und Gemüse immer Teil des täglichen Speiseplans sind.“ Aber der aktuelle Preisanstieg wird nicht konkret mit einer Qualitätssteigerung verknüpft. „Das ließ sich in der Trägerarbeitsgemeinschaft nicht durchsetzen“, erklärt Eltern-Vertreter Roselius. Argumentiert worden sein, dass es ja nicht um eine Preiserhöhung ginge, sondern um eine Preisanpassung, die ein Defizit verhindern soll.

Einkommensschwache Familien zahlen weiter einen Euro pro Essen

„Der Preisanstieg mag berechtigt sein,“ sagt die stellvertretende Ausschussvorsitzende Frauke Wöhler (CDU), „aber wir müssen eine Lösung finden, damit es für die Eltern nicht so teuer wird, notfalls mit finanzieller Unterstützung der Stadt.“ Den Haushalt damit zu belasten, sei schwierig, entgegnet die Ausschussvorsitzende Antje Beilemann (SPD), will aber im Vorfeld der Ausschusssitzung auch noch einige Fragen geklärt haben. Vorstellbar seien eventuell Synergieeffekte, wenn ein Caterer möglichst viele Kitas versorge – und die Qualität müsse natürlich auch stimmen. Wichtig ist Beilemann zu betonen, dass einkommensschwache Familien mit Anspruch auf das Bildungs- und Teilhabepaket nach wie vor nur einen Euro pro Mittagessen zahlen.