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Delmenhorster Graft Brunnensanierung: Ausschussmitglieder fühlen sich getäuscht

Von Frederik Grabbe | 29.09.2016, 08:44 Uhr

Die Sanierung der Graftbrunnen schreitet gemäß dem Zeitplan voran. Aber: Zwei von vier Brunnen können kein Trinkwasser fördern. Dies sorgte nun im Umweltausschuss für Unverständnis.

Der Rückbau der maroden Graftbrunnen ist erfolgt, die Bohrarbeiten sind für neue Brunnen weitestgehend abgeschlossen, Ende Oktober sollen die vier neuen Graftbrunnen ihren Betrieb aufnehmen: Die Sanierungsarbeiten liegen somit im Zeitplan, wurde seitens der Verwaltung am Dienstag im Umweltausschuss berichtet. Jedoch stieß ein Umstand einigen Ausschussmitgliedern sauer auf: „Aufgrund der Bodenbedingungen müssen zwei der insgesamt vier Brunnen als reine Absenkbrunnen hergestellt werden“, war in der Vorlage zu lesen. Und die seien „nicht verwendbar für eine eventuelle Förderung zur Aufbereitung zu Trinkwasser“.

„Zornesröte“ bei SPD-Mann Roß

Ein Aspekt, der Detlev Roß (SPD) „die Zornesröte ins Gesicht“ trieb, wie er sagte. „Wir haben einen eindeutigen Ratsbeschluss zur Wiederaufnahme der Trinkwasserförderung in der Graft. Und auf halben Wege erfahren wir, dass zwei von vier Brunnen nicht für die Trinkwasseraufbereitung geeignet sind“, fühlte sich Roß getäuscht. Laut Fachbereichsleiter Fritz Brünjes habe die Stadtwerkegruppe, die die Graftbrunnen-Sanierung ausführe, bei zwei Brunnen eine Lehmschicht im Boden festgestellt. „Trinkwasser wird aus einer Tiefe von 20 Metern gewonnen. Mit der Lehmschicht kann man aber nur bis zu 15 Meter bohren und nur nicht trinkbares Wasser gewinnen“, so Brünjes. Zwar könnte diese Schicht technisch durchdrungen werden, aber „das kostet richtig viel Geld“, sagte er, ohne eine Summe zu nennen.

„Die Stadtwerke setzen den Ratsbeschluss um“

Brünjes wies auf das Planverfahren zur Trinkwasserförderung hin, das parallel zur Brunnensanierung laufe. Hier werde der von Roß genannte Ratsbeschluss direkt umgesetzt. „Das gesamte Verfahren wird uns auf Jahre beschäftigen. Bis dahin brauchen wir aber eine sichere Wasser-Absenkung.“ Während der Brunnensanierung fließt das abgepumpte Wasser derzeit über den Hützelberggraben in die Delme und von dort aus in die Ochtum, in die Weser und in die Nordsee. „Die Stadtwerke setzen den Ratsbeschluss um – unabhängig von der Art der Inbetriebnahme“, sagte Brünjes.

Tiefes Misstrauen gegen die Stadtwerke

Die Antwort stellte Roß nicht zufrieden. Nach einer kurzen innerparteilichen Beratung verlautbarte Heinrich-Karl Albers (CDU): „Dies geht nicht gegen die Verwaltung, aber das Misstrauen gegen eine Tochter der Stadt sitzt bei uns ganz, ganz tief“, spielte er auf die Stadtwerke an. Albers und Roß verlangten, fortan im Ausschuss die Protokolle der ersten Gutachterbesprechung aus dem August für die Mitglieder vorzulegen. (Weiterlesen: Themenportal zu Delmenhorster Graft)

Mehrere Gutachten bis Mitte 2017 erwartet

Unterdessen informierte die Verwaltung über die Vorbereitung des Antrages auf Trinkwasserförderung. So stehen beispielsweise geohydrologische und naturschutzfachliche und landschaftsökologische Gutachten sowie Gutachten zur Oberflächenwasserbewirtschaftung und ein Modell zur Grundwasserströmung aus. Bis Mitte 2017 sollen diese vorliegen. Ab dem dritten Quartal 2017 soll es dann zur Antragskonferenz mit den Fachbehörden kommen.