Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Delmenhorster im Einsatz JHD-Mitarbeiter helfen in ärmsten Regionen der Welt

Von Marco Julius | 19.12.2016, 12:48 Uhr

Dr. Ales Stanek und Kurt Voigt vom Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) stellen ihr Können regelmäßig in den Dienst der guten Sache. Sie helfen in den ärmsten Regionen der Welt.

Sie sitzen oft lange Strecken im Flugzeug – und werden doch durch ihre Reisen so sehr geerdet. Dr. Ales Stanek, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Palliativmedizin und Schmerztherapie, und der Narkosepfleger Kurt „Kuddel“ Voigt sind nicht nur am JHD ein Team. Sie stellen ihr professionelles Können auch immer wieder unentgeltlich in den ärmsten Gegenden der Welt zur Verfügung. Im Frühjahr waren sie gemeinsam im westafrikanischen Guinea-Bissau , um Kindern zu helfen, die an der heimtückischen Noma-Krankheit zu helfen. Ende Januar geht es mit der Organisation Interplast nach Niamey, die Hauptstadt des Niger.

Hilfe im Norden Indiens

„Wer einmal dabei war, der kann nicht mehr loslassen“, sagt Stanek. Er war kürzlich erstmals in Indien. Interplast hatte gerufen, weil ein besonders schwerer Fall des Pierre-Robin-Syndroms operiert werden sollte, ein erfahrener Anästhesist war vonnöten. Die 17-jährige Seema leidet unter einer angeborenen Fehlbildung. Sie hat einen winzigen Unterkiefer, der nicht mitwächst, das Gesicht ist entstellt. Sie bekommt im Schlaf kaum Luft, das Sprechen fällt schwer, die ganze Entwicklung ist gehemmt. Die Narkose war ein kleines Kunststück, auch weil die technischen Möglichkeiten im Kalindi-Hospital unweit von Nepal einige Jahrzehnte hinter dem deutschen Standard zurückliegen. Während der OP wurde Seema der Kiefer durchgesägt, sie bekam ein Schrauben-Implantat, das hilft, dass sich das Knochengewebe im Unterkiefer nachbildet. Wer die Vorher-Nachher-Bilder sieht, der kann den Unterschied kaum fassen. Seema hat ihr Gesicht zurückbekommen. Stanek zeigt eine Nachricht des Mädchens, indem sie sich bedankt mit den Worten „Gelobt sei die Mutter Gottes“.

28 Patienten in zehn Tagen operiert

Natürlich fliegt ein Interplast-Team nicht nur für eine Operation nach Indien. In diesem Fall haben die Helfer ihr Kommen über die Klinik öffentlich gemacht und Patienten mit schweren Erkrankungen gebeten, sich vor Ort vorzustellen. „Über 150 sind gekommen, zusammen mit Verwandten waren etwa 400 Menschen in der Klinik“, berichtet der 58-jährige Stanek. Die Ärzte mussten eine Auswahl treffen. Wer kann operiert werden? Beim wem klappt dann auch die Nachsorge vor Ort? „Es tut weh, diese Auswahl zu treffen“, sagt Stanek. 28 Patienten in zehn Tagen hat das Team am Ende behandelt, täglich von 8.30 bis 20 Uhr waren Ärzte und Pfleger im Einsatz. Einen halben freien Tag hatte das Team, bei dem die Inder ihre ganze Gastfreundschaft zeigten.

Krankheiten, die in Europa als ausgerottet gelten

Es sind Verletzungen und Erkrankungen, die dem Laien, sieht er die Bilder, schwer zusetzen. Heftige Verbrennungen, die zum Teil schon Jahre zurückliegen, Polio, viele Krankheiten, die in Europa als ausgerottet gelten. Besonders beeindruckt war Stanek von dem kleinen Tarun. In seinem ersten Lebensjahr hat er einen Zugunfall überlebt, bei dem er einen Fuß verloren hat. Jetzt 13 Jahre später, ist er mit seinem stark entzündeten Vorfuß rund fünf Stunden auf einen Stock gestützt aus einem Bergdorf ins Klinikum gehumpelt. „Der Junge muss seit Jahren wahnsinnige Schmerzen haben. Er ist nie richtig behandelt worden, weil seine Familie kein Geld hat. Er ist unheimlich zäh.“ Das Interplast-Team hat ihm Haut vom Rücken entnommen und den Hautdefekt am Vorfuß damit überdeckt. Der Junge kann künftig ohne starke Schmerzen leben.

„Operation for a smile“

Es sind diese Erfolge, die für Stanek und Voigt ihre Arbeit ausmachen. „Operation for a smile“ heißt ein Motto von Interplast . „Genau das ist es. Die Kinder wieder lächeln zu sehen, das ist ein Geschenk“, sagt Kuddel Voigt. Er war erst jetzt wieder in Guinea-Bissau, zur Nachsorge von kleinen Noma-Patienten. „Sie sind so stolz, wenn sie die Erfolge sehen. Und so dankbar“, weiß Voigt. Diese Reisen in die ärmsten Regionen der Welt haben auch ihn verändert. „Man wird geerdet, wenn man die Probleme dort sieht und sie mit unseren hier vergleicht.“ Kuddel Voigt ist 63. Er freut sich darauf, dass er bald in Rente gehen kann. Denn dann hat er noch mehr Zeit. Wenn Interplast ruft, wird er da sein – für ein Lächeln als Lohn.