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Delmenhorster im Schulterschluss Café gegen die Trauer nach Flucht und Migration

Von Kai Hasse | 06.12.2017, 18:20 Uhr

Der Hospizdienst Delmenhorst und die Ehrenamtler der Diakonie haben ein neues gemeinsames Ziel. Sie wollen ein internationales Trauercafé einrichten. Diese Hilfe würde sich speziell an Flüchtlinge wenden, die viel verloren haben und darum trauern. Dafür werden nun Ehrenamtler gesucht.

Die Ehrenamtlerin Susanne Beckmann – gleichzeitig bei Hospizdienst und in der Flüchtlingshilfe aktiv – hatte bemerkt, dass die beiden Themen Anknüpfungspunkte haben. Flüchtlinge trauern, und das nicht nur, wie jeder, um den Tod von Angehörigen. Sondern auch um das eigene hinter sich gelassene Leben. Integrieren könnten sie sich besser, wenn sie das wirksam verarbeiten können, meinen Hospizdienst und Diakonie. Deshalb arbeiten sie nun zusammen.

Wiebke Machel, die Ehrenamtskoordinatorin der Diakonie, hat neulich in einem VHS-Kurs für Flüchtlinge gefragt: Wer von euch hat Heimweh? „Es waren 19 Leute da. Alle 19 haben sich gemeldet“, erzählt sie. Moment: „Heimweh“ klingt etwas banal für das, was die Ehrenamtler meinen. Es geht zwar auch um möglicherweise im Krieg oder im Alltag gestorbene Angehörige, sondern eben auch um die oft verlorene Existenz, soziale Wurzeln, die Heimat, die entfernte Familie, die man vielleicht lange nicht mehr sehen wird – oder nie mehr.

Keine Zukunft ohne Trauer

Das erzeuge Trauer. Und nicht, wie Franz-Josef Franke, Geschäftsführer der Diakonie Delmenhorst/Oldenburg-Land, erklärt, notwendigerweise ein „Trauma“, was gern als – oft falscher – Krankheits-Begriff genutzt werde. Trauer lässt sich verarbeiten, eben im Trauercafé. Franke macht klar: Ausgerechnet im Zustand der Entwurzelung und Haltlosigkeit werde von Flüchtlingen gefordert, dass sie sich integrieren. „Wenn ich aber meine Trauer nicht verarbeitet habe, kann ich mich nicht der Zukunft zuwenden“, sagt er. Deshalb soll nun dieses Projekt helfen, das dafür auch vom Land gefördert wird.

Schweigen und Dasein ist international

Dabei dauerte es meist eine Weile, bis den Migranten ihre Trauer bewusst werde, meint Karin Stelljes, Vorsitzende des Hospizdienstes. „Für sie stehen anfangs ganz andere Dinge im Vordergrund: Sicherheit. Ein Dach über dem Kopf. Die Trauer setzt erst dann ein, wenn die Grundbedürfnisse gesichert sind.“ Deshalb hätten übrigens auch viele, die dann eine Trauerbegleitung bräuchten, bereits gute Sprachkenntnisse, wie Wiebke Machel erzählt. Dabei sei, gerade was die Gefühle angehe, die Kommunikation deutlich leichter und intuitiver als Gespräche über Amtsgeschäfte der deutschen Verwaltung. „Oft schweigt man ja auch nur“, sagt Stelljes‘ Stellvertreterin Ursela Roßmeyer. „Schweigen ist das Schwierigste.“ Und ebenso wie Dasein und Zuhören vollkommen international, ungeachtet jedes kulturellen Brauches der anderen Länder – aus denen man übrigens auch etwas lernen könne.

Nicht beschränkt auf Flüchtlinge

Das Internationale Trauercafé soll dabei nicht beschränkt sein auf Flüchtlinge. „International“ meine tatsächlich jede Nation. Niemand werde abgewiesen. Die Initiatoren glauben aber fest, dass gerade unter Flüchtlingen Menschen sind, von denen eine hohe soziale Integrationsleistung abverlangt werde, während gerade sie eben der Verlust des Gewohnten besonders plage. Für das Trauercafé werden nun Ehrenamtler gesucht. Sie werden eine Ausbildung durchlaufen, die Trauerbegleitung und kulturelle Aspekte beinhalte. Wer sich dafür engagieren will, kann sich bei der Koordinatorin des Hospizdienstes, Martina Meinken, unter Telefon (04221) 1231688 oder per Mail unter hospizdienst-delmenhorst@web.de melden.