Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Delmenhorster Jobcenter Mehr Mühe für Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge

Von Frederik Grabbe | 17.02.2017, 15:59 Uhr

Langzeitarbeitslose und arbeitslose Flüchtlinge werden das Jobcenter Delmenhorst auch im kommenden Jahr fordern: Das ist die Kernaussage des Rückblicks der Einrichtung aufs Jahr 2016 und des Ausblicks aufs Jahr 2017. Welche Bereiche das Jobcenter künftig anpacken will, beschreibt das neue Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2017 und 2018, das am Freitag vorgestellt wurde.

Eine Erkenntnis war demzufolge, dass eine wichtige Zielmarke im Jahr 2016 verfehlt worden ist: Die der Integrationsquote. Sie gibt den Grad der Integration von Menschen in Arbeit an, die nach dem SGB II Leistungen, also Hartz IV, beziehen. Zwar konnte der Bestand an Langzeitleistungsbeziehern – also Menschen, die länger als zwei Monate arbeitslos sind – leicht über die Erwartungen abgebaut werden und insgesamt schrumpfte die Arbeitslosenquote im Jobcenter im Jahresvergleich auf 7,9 Prozent (-0,9 Prozent). Dies liegt aber laut Jobcenter-Chef Frank Münkewarf an die Integration in Weiterbildungsmaßnahmen. Nur 1440 Menschen wurden in Arbeit vermittelt. Vor einem Jahr waren es noch 1532. Die Integrationsquote beträgt laut Jobcenter 19,2 Prozent, damit ist sie um 0,7 Prozent geringer als der Zielwert.

Ziele aufgrund der Flüchtlingszuwanderung schwer einzuhalten

Dafür liegt die Einrichtung bei den Leistungen zum Lebensunterhalt im Soll: 27,2 Millionen Euro gab das Jobcenter 2016 für Leistungen und Unterkunftskosten aus, 530.000 Euro weniger als eingeplant. Davon habe auch die Stadt als Trägerin des Jobcenters profitiert, sagte Münkewarf. „Wir hatten uns ambitionierte Ziele für 2016 gesteckt. Die Prognosen aufzustellen, war aber schwierig, weil vieles etwa an der Frage hing, wie schnell das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Asylverfahren abarbeitet.“

 (Weiterlesen: Viele Delmenhorster wechseln in Weiterbildungen) 

Flüchtlinge werden weiter die Zahlen drücken

Dass sich die Lage fürs Jobcenter 2017 entspannt, nimmt Münkewarf nicht an: Zwar rechnet er mit einer leicht höheren Integrationsquote (+0,1 Prozent), seiner Prognose nach wird aber die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsbezieher (+290) und die der Langzeitleistungsbezieher (+50) anziehen. Der Grund: Viele Flüchtlinge würden vom BAMF anerkannt werden und aus Integrationskursen nachrücken.

Berater vermitteln junge Flüchtlinge gezielt in Betriebe

So bezieht sich ein Handlungsschwerpunkt des Jobcenters für 2017 auch auf diese Gruppe: Nachdem das Jobcenter ohnehin in dem Bereich zu 2016 6,5 neue Stellen in der Beratung geschaffen hatte, sollen Arbeitsvermittler nun gezielt bei Betrieben um Ausbildungsplätze für junge Flüchtlinge werben. Ungefähr 1000 Flüchtlinge zählt das Jobcenter aktuell, die meisten sind Syrer und Iraker.

 (Weiterlesen: Flüchtlinge im Arbeitsmarkt: „Stehen vor großer Herausforderung“) 

Besondere Programme für Langzeitarbeitslose

Auch bei der Gruppe der Langzeitarbeitslosen wird schwerpunktmäßig angesetzt: Beispielsweise ist das Netzwerk ABC erst vergangenes Jahr eingeführt worden und soll weitergeführt werden. Darin kümmern sich drei eigens abgestellte Betreuer nur um je 50 Jobcenterkunden und pflegen eine extrem enge und weitfassende Betreuung. Mit Erfolg, wie Münkewarf sagt: „2016 wollten wir 60 Personen in Arbeit bringen, es wurden 97.“ Von 7500 Leistungsbeziehern sind 5000 langzeitarbeitslos.

Doch der Ansatz bei den Langzeitarbeitslosen greift noch weiter: So sollen schon gezielt Jugendliche ab 15 Jahren, die in Bedarfsgemeinschaften leben und deren Eltern Hartz-IV-Bezieher sind, auf ihre Berufsorientierung angesprochen werden. „Im Grunde ist es eine Präventivmaßnahme, um verkrustete Arbeitslosigkeit in den Familien aufzubrechen“, so Münkewarf.