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Delmenhorster Kita-Einstieg Flüchtlinge sollen Sprung in die Betreuung wagen

Von Kai Hasse | 10.11.2017, 09:40 Uhr

Ein Bundesprogramm soll geflüchteten Eltern und Kindern den Einstieg in die Kita erleichtern. Denn sie haben Schwierigkeiten, Vertrauen in das unübliche System der Betreuung durch Fremde zu fassen.

Eine Brücke bauen in die Kindergärten, das soll ein Bundesprogramm leisten, das nun in Delmenhorst läuft. Deutschen, aber auch Eltern mit Migrationshintergrund soll es einfacher gemacht werden, ihre Kinder in die Kindertagesstätten abzugeben. Denn sie tun sich schwer damit.

Kinder abgeben nach der Flucht

Dass geflüchtete Eltern, kaum dass sie in Deutschland sind, ihre Kinder, mit denen sie die strapaziöse Flucht durchlebt haben, an jemand anders zur Betreuung abgeben sollen, und sie kennen weder den Betreuer noch die Sprache oder Kultur, „das ist ne Hausnummer“, sagt Gabi Baumgart von der AWO, welche zwei der vier vom Bund begünstigten Betreuungshäusern trägt.

Vier halbe Stellen für Betreuung

Das Projekt „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ läuft in AWO-Betreuungsgruppen in der Kaserne und im Wollepark, außerdem in einer Gruppe der Kita Süd der Lebenshilfe und im Familienzentrum St. Christophorus von der Kirchengemeinde St. Marien. Jeder dieser Gruppen wird eine halbe Fachkraftstelle finanziert. Betreut werden Kinder im Alter zwischen zwei Monaten bis sechs Jahre. Selbst wenn sie zunächst keinen Betreuungsplatz in einer Kita bekommen sollten, sollen sie erste Erfahrungen sammeln und Vertrauen in das Betreuungssystem schöpfen. 560.000 Euro kommen für die Laufzeit von 2017 bis 2020 vom Bund, und die Stadt Delmenhorst legt davon noch Zehntel drauf. Mehrere Betreuer mit relevanten Sprachkenntnissen haben die Einrichtungen dafür gefunden, die nun versuchen, die Kinder auf den Alltag in einer Kindertagesstätte vorzubereiten und vor allem Vertrauen aufzubauen. Denn in den Kulturen, aus denen die Nutznießer stammen, seien Kinderbetreuungseinrichtungen wenig bekannt. „Parallel wollen wir versuchen, die Kompetenzen der Eltern zu nutzen und sie gegebenenfalls zu Tagespflegepersonen auszubilden“, sagt Gerd Galwas, Fachdienstleiter der Kindertagesbetreuung der Stadt. Dafür steht ebenfalls 30.000 Euro aus dem Bundesprojekt zur Verfügung.

Keine Anmeldungen von Flüchtlingen

Die Delmenhorster sind nicht ganz neu in dem Projekt. Bundesweit seien nur 80 Kommunen an diesem Projekt beteiligt. Dabei gelte Delmenhorst als eine Kommune, die bereits tief eingestiegen und ein Erfolgsbeispiel sei. Dass das Projekt nötig ist, hatte sich für Galwas bereits schon mit einem Blick auf die Anmeldezahlen für Kitas aus den Migranten-Familien gezeigt: Da kam kaum etwas – weil die Betreuung durch Fremde unüblich ist und die Sprachhürde da ist. „Es sagen schon manchmal deutsche Eltern, dass sie ihr Kind nicht in eine fremde Gruppe geben. Für Menschen mit Fluchterfahrung kommt hinzu, dass es auch noch eine fremde Sprache und eine fremde Kultur ist“, sagt Sabine Conrady von der Netzwerk- und Koordinierungsstelle der Stadt fest, und: „hier sollen keine Parallelgesellschaften entstehen“. Eltern würden zwar durchaus darauf achten, dass beispielsweise kein Schweinefleisch beim Essen herausgegeben werde. Aber, so eine weitere Erfahrung aus der bisherigen Arbeit mit den Kindern: Alle Kinder machen offen und gern mit – ob Alltagsbetrieb oder Oster-, Martins- oder Weihnachtsfest.