Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Delmenhorster Krankenhaus Josef-Hospital kontert Kritik an Qualität der Geburtshilfe

Von Marco Julius | 12.11.2018, 19:14 Uhr

Eine von der Großen Koalition in Berlin beauftragte Erhebung zur Qualität in bundesdeutschen Krankenhäusern rückt neben 72 weiteren Kliniken auch das Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) in den Fokus. Zu Unrecht, sagt Dr. Katharina Lüdemann, Chefärztin der Frauenklinik.

Eine von der Großen Koalition in Berlin beauftragte Erhebung zur Qualität in bundesdeutschen Krankenhäusern rückt neben 72 weiteren Kliniken auch das Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) in den Fokus. Wie der „Spiegel“ gestern zuerst berichtete, ist bei den genannten Häusern im „Klinik-Tüv“ bei mindestens einem von elf Qualitätsindikatoren eine „unzureichende Qualität“ festgestellt worden. Im JHD gilt dies demnach für die Geburtshilfe.

Klinik verweist auf Messprobleme

Die Chefärztin der Frauenklinik, Dr. Katharina Lüdemann, macht für das schlechte Abschneiden ein Messproblem verantwortlich, das mittlerweile behoben sei. Die Geburtsmedizin des JHD habe in vier der fünf erfassten Parameter zur Qualität in der Geburtsmedizin in 2017 gut abgeschnitten, in einem Punkt habe es tatsächlich statistische Auffälligkeiten gegeben. Bei 27 Fällen von am Termin geborenen Kindern, wurde ein sogenanntes kritisches Outcome dokumentiert. „Dieser Wert ist tatsächlich außergewöhnlich hoch. Im Jahr kommen rund 900 Babys bei uns auf die Welt. In der Regel haben wir pro Jahr sehr wenige Kinder, die aufgrund eines dramatischen Geburtsverlaufs wie zum Beispiel eines Notkaiserschnittes schlechte Werte aufweisen“, erläutert Lüdemann. „Hinzu kommt, dass 21 dieser 27 Kinder gesund und munter waren, eine rosige Gesichtsfarbe hatten und mit einem guten Apgar-Wert bewertet wurden, aber dennoch auffällige Blutanalysewerte hatten. Da diese Werte daher nicht plausibel erschienen, hatten wir schnell den Verdacht, dass das Problem von einem Anfang 2017 bei uns in Betrieb genommenen Gerät verursacht wurde, das wiederholt unerklärlich schlechte pH-Werte lieferte“, sagt die Chefärztin. Die Messungen seien dann mit einem noch vorhandenen älteren Gerät überprüft worden. „Wir konnten tatsächlich feststellen, dass die Messungen zu völlig anderen, unauffälligen Ergebnissen führten.“ Bei diesen 21 Kindern sei die Auffälligkeit also aufgrund eines Messproblems verursacht worden. „Das Gerät wurde mehrfach durch die Medizintechnik gewartet. Im vierten Quartal 2017 traten keine unerklärlichen, nicht korrelierenden Messungen mehr auf“, sagt Lüdemann. Interessant sei, dass auch andere Krankenhäuser, die dieses Gerät verwenden, dieselben Schwierigkeiten und daraus resultierend ebenfalls statistische Auffälligkeiten in diesem Qualitätsparameter gehabt hätten..

Verlass auf Behandlungsqualität

Bei sechs Kindern habe es tatsächlich schlechte Blutgas-Werte gegeben. Dieser Wert sei statistisch aber nicht auffällig. „Grund hierfür war in drei Fällen ein schicksalhafter dramatischer Geburtsverlauf, wie er bedauerlicher Weise bei Geburten immer wieder mal vorkommt. Bei drei Kindern war nach unauffälligen Herztönen und einem normalen Verlauf der Geburt der Zustand unerwartet schlecht“, sagt Lüdemann. Für jedes dieser Kinder sei zusammen mit der Kinderklinik im Hause eine Fallbesprechung durchgeführt worden. „Es ergab sich kein Hinweis auf ein Qualitätsproblem. Alle Kinder erholten sich rasch. Nur drei der Kinder mussten in der Kinderklinik überwacht werden, die übrigen konnten bei ihren Müttern bleiben, weil es von Anfang an keinen Hinweis auf einen Sauerstoffmangel gab“, sagt die Chefärztin. Keines der sechs Kinder habe eine weitere Behandlung benötigt, bei keinem Kind habe der Verdacht auf eine bleibende Hirnschädigung durch Sauerstoffmangel bestanden.

„Wir bedauern sehr, dass ein Messproblem hier zu Verunsicherung bei werdenden Eltern in der Region geführt hat und versichern, dass diese sich weiterhin auf die bekannt hohe Behandlungsqualität in unserer Geburtsmedizin verlassen können“, sagt Lüdemann.