Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Delmenhorster Krankenhaus Josef-Hospital trennt sich von zwei Chefärzten

Von Thomas Breuer | 04.01.2018, 09:03 Uhr

Das Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) wird frühestens ab Mitte Februar mögliche Kündigungen in größerer Zahl aussprechen – sofern sich die von den Insolvenzverwaltern festgestellten Personalüberhänge bis dahin nicht durch Eigenkündigungen von Mitarbeitern oder Auflösungsverträge erledigt haben.

Dass es darauf hinauslaufen könnte, verdeutlichen Zahlen, die Geschäftsführer Florian Friedel auf Nachfrage nennt. „In der Zeit seit Einleitung des Insolvenzverfahrens haben wir insgesamt 65 Kündigungen erhalten“, teilt er mit. „Im Stellenplan entspricht das etwa 54 Vollkräften.“ Der notwendige Personalabbau war vor einiger Zeit mit 112 Vollkräften beziffert worden, die sich auf 160 Stellen verteilen könnten. Die bisherigen Eigenkündigungen betreffen laut Friedel alle Dienstarten vom Ärztlichen Dienst über den Pflegedienst bis hin zu Mitarbeitern der Verwaltung.

Überzeugt vom Potenzial des Krankenhauses

„Wir bedauern diese Kündigungen sehr, verstehen aber, dass sich einige Mitarbeiter verunsichert fühlen und daher nach neuen Herausforderungen schauen“, kommentiert der Geschäftsführer die Entwicklung. Die Verantwortlichen seien aber überzeugt vom Potenzial des Krankenhauses und arbeiteten mit Hochdruck an dessen Sanierung. „Mit viel Information und Transparenz“, so Friedel, „wollen wir in den kommenden Tagen und Wochen versuchen, die Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen und gehen davon aus, dass es uns so gelingen wird, einen Großteil der Leistungsträger zu halten.“

Chefärzte Retzlaff und Schlick verlassen das Haus

Unter denen, die das Haus unfreiwillig verlassen, sind zwei Chefärzte: Jörg Retzlaff (Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie) und Dr. Rüdiger W. Schlick (Klinik für Urologie und Kinderurologie). Klinikdirektor und Chefarzt Retzlaff geht laut Friedel „aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung der Abteilung“. Der Vertrag sei „in beiderseitigem Einvernehmen“ aufgelöst worden. Die alleinige Leitung der Klinik wird mit sofortiger Wirkung von Dr. Markus Philipp übernommen. Er war bereits als Chefarzt im St.-Josef-Stift tätig.

Anders verhält es sich bei Schlick, der zum Jahresanfang seine fristlose Kündigung im Briefkasten hatte, nachdem vorherige Gespräche gescheitert waren. Der Urologe, seit Oktober 2008 an der Wildeshauser Straße tätig, steht nun vor einem Gang zum Arbeitsgericht und sieht die urologische Krankenhausversorgung in Delmenhorst in Gefahr. Zur Personalie Schlick wollte sich Friedel auf Nachfrage nicht äußern. Auch der Chefarzt selbst wollte nicht weiter ins Detail gehen.

Eigenkündigungen nicht passgenau zum Bedarf

„Die Kündigungen, die wir im Bereich des Ärztlichen Dienstes und der Pflege erhalten haben, reduzieren die Zahl der auszusprechenden Kündigungen“, so Friedel. „Entscheidend ist am Ende, das Personal mit der richtigen Qualifikation an der richtigen Stelle zu beschäftigen. Dazu gab es bereits erste Maßnahmen, weitere sollen ab Mitte Februar folgen.“

Dass die Eigenkündigungen nicht passgenau zum Bedarf vor sich gehen, verdeutlicht die Tatsache, dass im JHD Bereiche, die für die Erbringung der medizinischen Leistungen wichtig sind, derzeit zum Teil sogar über Honorar- beziehungsweise Leiharbeitskräfte abgedeckt werden. Betroffen davon sind etwa die Innere Medizin und die Intensivstation.

„Das Josef-Hospital Delmenhorst greift hierbei auf renommierte und im Markt für besonders zuverlässige und gut qualifizierte Mitarbeiter bekannte Agenturen zurück“, erklärt Friedel. So sei die Versorgung der Patienten jederzeit sichergestellt. Ziel bleibt es laut Geschäftsführer, auf Fremdpersonal insgesamt zu verzichten.

Mit Blick auf die für Mitte Februar geplante Bestandsaufnahme beim Personal zeigt sich Gert Prahm, Vorsitzender des Betriebsrates am JHD, verhalten optimistisch. Er sagt: „Ich gehe nicht davon aus, dass dann noch Kündigungen in der Ärzteschaft und im Pflegebereich ausgesprochen werden müssen.“

Zuversichtlich, neue Kräfte gewinnen zu können

Geschäftsführer Friedel geht davon aus, dass auch Ersatz für Mitarbeiter, die er lieber nicht ziehen lassen würde, wieder zu beschaffen sein wird. „Wir sind davon überzeugt, dass unser Klinikum nach erfolgreicher Sanierung auch langfristig wieder ein attraktiver Arbeitgeber sein wird“, zeigt er sich zuversichtlich. Trotz der eingeleiteten Insolvenz sei es schon möglich gewesen, Bewerber für das HD zu gewinnen: „Das ist vor allem über persönliche Kontakte und Empfehlungen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelungen.“

Letztere sollen das nächste Mal in einer Mitarbeiterversammlung am Dienstag, 16. Januar, über den aktuellen Stand informiert werden.