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Delmenhorster Krippe früher zu Erzieher fallen aus – kein Ersatz am Arbeitsmarkt

Von Kai Hasse | 12.12.2018, 17:36 Uhr

Die Kinderkrippe Nordwolle der AWO schließt derzeit außerplanmäßig früher. Das wird noch einen knappen Monat dauern – und ist auch Folge von Fachkräftemangel.

Mehrere Arbeitgeber in Delmenhorst werden in den kommenden Wochen womöglich mit Mitarbeitern zu tun haben, die früher gehen müssen: Die nämlich müssen ihre Kinder betreuen. Der Grund liegt in der Kinderkrippe Nordwolle der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Dort sorgt ein Krankenstand für eine frühere Schließzeit. Bisher endete die Betreuungszeit um 15 Uhr. Jetzt müssen die Kinder aus zwei 15-Platz-Gruppen bereits um 12.30 Uhr abgeholt werden. Das sorgt für Nöte bei den Eltern. Und Abhilfe ist so schnell nicht verfügbar, weil der Arbeitsmarkt eine Kompensation nicht hergibt.

Keine Alternative für Eltern

„Wenn man in Vollzeit arbeitet wie ich, hat man ein Problem“, sagt beispielsweise Mutter Carina Weimann. DerKrankenstand sei recht überraschend eingetreten, und für die Eltern sei es schwer, so schlagartig die Betreuung ihrer Kinder umzuorganisieren. Die Folge: „Manchen bleibt nichts anderes übrig, als sich selbst krankzumelden“, sagt die Mutter. Eine Alternative sei derzeit nicht geboten.

Die Geschäftsführerin der Awo Delmenhorst, Doris Fuhrmann, bestätigt den Fall und mehrere überraschende Ausfälle. Es gebe zwar einen personellen Puffer, aber die derzeitige Häufung sei nicht aufzufangen. „Die Krippe ist eine kleine Einrichtung. Innerbetrieblich lässt sich das nicht kompensieren“, sagt sie. Und sie betont, dass es sich um Kinder unter drei Jahren handelt, die auch besondere Anforderungen stellen: „Sie müssen die Erzieherinnen oder Erzieher auch kennen. Bei uns halten die Kinder auch Mittagsschlaf und brauchen auch dabei eine Betreuung. Es kann für sie traumatisch sein, wenn das Unbekannte übernehmen.“ Einige Kinder seien noch in der Eingewöhnung oder hätten Förderbedarf. Diese Ansprüche seien nicht von jetzt auf gleich zu erfüllen. Die einzige Lösung für die Awo musste laut Fuhrmann die Verkürzung der Öffnungszeit sein.

Fachkräfte fehlen auf dem Markt

Frustrierend ist daran der Fachkräftemangel. Der würde es – so beschreibt es Fuhrmann – auch unmöglich machen, für kürzere Zeiten eine Vertretung einzustellen. „Es gibt einfach nicht genug Erzieherinnen und Erzieher auf dem Markt“, sagt sie. Pädagogische Fachkräfte, die derzeit in sämtlichen Kommunen händeringend gesucht werden – und auch für kommende Kitas gebraucht werden – würden sich für kurzfristige und befristete Stellen kaum begeistern.

Letztlich ist die Stadt in der Pflicht, für die Betreuung unter Dreijähriger zu sorgen. Der Fachdienst Kindertagesbetreuung sei mit der Awo in Gesprächen, um die Betreuungssituation möglichst kurzfristig zu verbessern, erklärt Stadtsprecher Timo Frers. Er bestätigt Krankheitsfälle und die besondere Schwere beim Heranschaffen von Ersatzbetreuung: „Aus pädagogischen Gründen ist es nicht sinnvoll, kurzfristig und für einen begrenzten Zeitraum Krippenkinder in einer anderen Einrichtung oder bei Tagespflegepersonen betreuen zu lassen.“ Die Awo und die Stadt gehen derzeit davon aus, dass die Betreuung ab Anfang Januar wieder voll stattfinden kann. Bis dahin hoffe die Verwaltung trotz der Unannehmlichkeiten auf das Verständnis der Eltern.