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Delmenhorster Mai-Kundgebung Gewerkschafter machen sich gegen Spaltungen stark

Von Sonia Voigt | 01.05.2017, 16:54 Uhr

Die Forderung nach mehr Miteinander – egal ob zwischen Jung und Alt, Arbeitern und Erwerbslosen, Flüchtlingen und Einheimischen – zog sich als roter Faden durch das Programm von Mai-Demo und Kundgebung des DGB in Die Kooperation mit dem Jugendbündnis half, die Generationen zusammenzubringen.

Gegen eine Spaltung der Gesellschaft haben sich der DGB, das Jugendbündnis und andere Aktive bei der traditionellen Demo und Maikundgebung am Montag stark gemacht und damit hunderte Delmenhorster erreicht. Dass die Diskussion um die Rente Jung und Alt nicht auseinandertreibt, hat der Gewerkschaftsbund dabei auch mit der engen Zusammenarbeit mit dem Jugendbündnis aus neun verschiedenen Jugendorganisationen bewiesen. Sie prägten nicht nur den Demonstrationszug durch die Innenstadt mit, sondern auch die Reden und die Zeltstadt mit Verpflegung, Info- und Unterhaltungsangeboten auf der Hotelwiese.

AfD als „gewerkschaftsfeindliche Partei“ betitelt

Verschiedene Redner sparten, getreu dem Motto „Wir sind viele. Wir sind eins“, nicht an deutlichen Worten gegen Spaltungen jeglicher Art. So rief die Ver.di-Jugendsekretärin Weser-Ems Heike Boldt dazu auf, Flüchtlingen „mit Herz statt Hetze“ zu begegnen und bekam Zwischenapplaus, als sie die AfD eine „zutiefst gewerkschaftsfeindliche Partei“ nannte. Zwar gebe es oft herbe Kritik und Austritte, wenn sich Gewerkschaften gegen die AfD stellten, dennoch sei „genau das richtig“, sagte Boldt. Denn mit ihren Forderungen, auch im aktuellen Wahlprogramm, und ihrer Nähe zu rechtsextremen Strukturen könne die AfD für Gewerkschafter keine Alternative sein. Angesichts geistiger Brandstifter müssten die Gewerkschaften ihre Werte wie Solidarität hochhalten, betonte Boldt, und sich für das Wohl aller Menschen einsetzen. Hierbei sprach sie sich für einen höheren, besser durchgesetzten Mindestlohn und eine existenzsichernde Rente ab 65 aus.

Oberbürgermeister nennt Tamer Serts Türkei-Äußerungen „nicht vertretbar“

Die aktuellen Entwicklungen in der Türkei spielten mehrfach eine Rolle, nicht nur in der Rede von Yeliz Hess vom Türkischen Arbeiterverein (DIDF). Auch Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD) griff das Thema auf und den örtlichen FDP-Vorsitzenden Tamer Sert scharf an: Sein Eintreten für die Verfassungsänderung sei „völlig deplatziert“ und zeuge von fehlendem Feingefühl. Sert vertrete damit eine Position, „die nicht vertretbar ist“. Auch für Yeliz Hess zeigt das Referendum, das sie als manipuliert bezeichnete, eine Entwicklung weg von der Demokratie an. „Dagegen formiert sich eine Opposition, die unsere Unterstützung braucht“, rief die DIDF-Sprecherin auf. Generell plädierte sie dafür, Menschen dort, wo sie leben, die Teilhabe an demokratischen Prozessen zu ermöglichen.

Generationen-Treff auf Hotelwiese bewährt sich

Insgesamt freute sich der Vorsitzende des DGB-Stadtverbands Uwe Helfrich über einen gelungenen „Tag der Arbeit“ und dankte den Aktiven des Jugendbündnisses für ihre fantasievollen Aktionen und Stände, zu denen auch ein „Chillzelt“ mit Sesseln und Kicker zählte. Auch der neue Veranstaltungsort bewährte sich. Oberbürgermeister Jahnz befand, die Maikundgebung sei auf der für das Eintreten gegen rechts berühmten Hotelwiese richtig aufgehoben.