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Delmenhorster Modell als Vorbild Paten für Kinder kranker Eltern gesucht

28.06.2015, 12:47 Uhr

Dem Alltag meist gewachsen, zwischendurch aber ausgebremst durch eine psychische Krankheit: Das macht es manchen Eltern schwer, ihren Kindern gerecht zu werden.

Die gemeinnützige Gesellschaft „Plan A“ weitet ihr Delmenhorster Kinderpatenschaftsmodell auf den Landkreis Oldenburg aus. Es ermöglicht psychisch kranken Eltern, einen geschulten Paten als Hilfe bei der Betreuung der Kinder zu gewinnen, der in die Bresche springt, wenn sie sich beispielsweise aufgrund eines Krankenhausaufenthalts, eines Krankheitsschubes oder vergleichbarer akuter Probleme zeitweise nicht so um ihr Kind kümmern können, wie sie es gern täten.

„Plan A“-Geschäftsführer Michael Rubbert hebt hervor, dass das Patenschaftsmodell zudem Kindern aus der Isolation helfen könne, die die Krankheit ihrer Eltern oft nach sich ziehe. So sieht das Modell vor, dass sich die Paten regelmäßig mit ihren Patenkindern treffen, mindestens einmal pro Woche. Auch übernachten die Kinder dann und wann bei den Paten. Sie gewinnen auf diese Weise eine neue Bezugsperson – und zwar eine „handverlesene“. Denn nur, wer ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorweisen kann, kommt für das ehrenamtliche Engagement als Pate in Frage. Außerdem, so die Sozialpädagogin Kristina Taeger, die das Programm für Plan A betreut, bemühe sie sich, die Kinder mit Paten zusammen zu bringen, die auch zu ihnen passen.

Angehende Paten durchlaufen Schulung

Die angehenden Paten durchlaufen eine Schulung, die sie zusätzlich für die Arbeit mit den Kindern qualifiziert. Hierbei lernen sie unter anderem etwas über psychische Krankheiten und über Kindeswohlgefährdung. Sie treffen sich mit bereits erfahrenen Paten, um an deren Erfahrungen zu partizipieren. Zudem unterrichtet sie das Team um Rubbert und Taeger über Erziehungsvorstellungen.

Denn eines muss aus Taegers Sicht stets klar bleiben: Die Eltern der Kinder haben das Sagen. Die Paten unterstützen sie „nur“. Es sei hingegen nicht Aufgabe der Paten, ein Kind „umzuerziehen“.

Tatsächlich, berichtet die Delmenhorsterin Heike Hammel, die seit sechs Jahren ein mittlerweile 14-jähriges Mädchen innerhalb des Kinderpatenschaftsmodells betreut, sei der enge Draht zur Mutter das A und O. „Wir sprechen uns immer genau ab.“ Dies sei nicht zuletzt deswegen wichtig, um die Vertrauensbasis zueinander aufzubauen und anschließend zu erhalten.

Hammel besucht mit „ihrem“ Kind gern Zoos, weil das Mädchen in Zoos geradezu aufblühe. Auch trifft sie sich mit ihm zum gemeinsamen Backen oder zur Gartenarbeit. Kürzlich, sagt sie, hätten sie gemeinsam das Freilichtmuseum in Cloppenburg besucht. „Wir haben beide richtig viel Spaß miteinander“, fasst Hammel zusammen.

Um nun auch im Landkreis Oldenburg ab Oktober durchstarten zu können und obendrein die Arbeit in Delmenhorst auszubauen, sucht „Plan A“ engagierte Menschen, die Lust haben, eine Patenschaft zu übernehmen.

Wer interessiert ist, erreicht Kristina Taeger auf ihrem Diensthandy unter (0176) 12 98 38 38.