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Delmenhorster muss in Haft Verzicht auf Alkohol hätte Freiheit bedeutet

Von Ole Rosenbohm | 24.10.2018, 20:18 Uhr

Weil er sich betrunken nicht unter Kontrolle hat, muss ein 26-jähriger Delmenhorster eine ganze Weile ins Gefängnis. Dabei hätte eine Therapie Freiheit für ihn bedeutet.

Weil er sich betrunken nicht unter Kontrolle hat, muss ein 26-jähriger Delmenhorster eine ganze Weile ins Gefängnis. Das Landgericht Oldenburg bestätigte am Dienstag eine in erster Instanz geurteilte Gefängnisstrafe von fünf Monaten. Zudem muss er auch noch eine Haftstrafe von neun Monaten antreten, deren einstige Bewährung inzwischen widerrufen worden ist.

Betrunken Polizisten geschlagen

Das aktuelle Urteil hatte sich der Mann im März 2017 eingebrockt, als er betrunken und höchst aggressiv zwei Polizisten seinen Personalausweis verweigerte, sie beleidigte, schlug und trat und einem der Beamten in den Mund spuckte. Die Anklage lautete somit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit versuchter Körperverletzung und Beleidigung. Das ganze Geschehen hatte sich in seiner Wohnung morgens um 4.30 Uhr abgespielt. Die Polizisten waren von Nachbarn gerufen worden, weil er mit dröhnend lauter Musik seinen Geburtstag feierte – und zwar ganz alleine.

Schon sechs Vergehen

Dies war bisher nicht der einzige Ausfall des Mannes, wurde vor Gericht geschildert. Wegen insgesamt sechs Vergehen musste er sich schon Urteile anhören, bei fünf davon war er betrunken. Die neun Monate auf Bewährung erhielt er wegen einer Auseinandersetzung nach einem Werder-Heimspiel mit einem Polizisten außer Dienstzeit. Unter anderem biss der Angeklagte seinen Kontrahenten zweimal. Wegen einer weiteren Körperverletzung im Rausch befand sich der 26-Jährige bis vergangenen Mai sogar drei Monate in Haft.

Seit letzter Haftstrafe am Riemen gerissen

Diese Zeit im Knast, sagte er jetzt, hätten ihm die Augen geöffnet. Seitdem ist es ruhig um den Angeklagten geworden. Er wolle sich nun mehr um seine Kinder kümmern, sich weiter gut im gerade gefundenen Job anstellen und nur noch „kontrolliert trinken“, also kein „hartes Zeug mehr“, „nur noch zwei, drei Bier bei Familienfeiern“ oder ähnlichen Anlässen. Tatsächlich hat es seitdem keine weiteren aktenkundigen Vorfälle mehr gegeben, wurde zu Protokoll gegeben.

Therapie wäre nötig gewesen

Das allerdings war dem Schöffengericht zu wenig. Es fand den Umgang des Angeklagten mit seinem Trinkverhalten viel zu lasch. Wenn er schon keine stationäre Therapie anstrebe – die wollte der Angeklagte nicht machen, um seine Arbeit zu behalten – hätte er sich wenigstens um eine ambulante kümmern können, fand das Gericht.

14 Monate Gefängnis

Was er unternommen habe, um seine Alkoholprobleme in den Griff zu bekommen, sei der entscheidende Punkt, das „Zünglein an der Waage“, sagte der Richter und verwarf mit seinen beiden Schöffen die Berufung.

Auf den Angeklagten warten damit 14 Monate Gefängnis.