Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Delmenhorster Naturschützer aktiv Nabu will Kulturerbe auf Pultern-Areal schützen

Von Sonia Voigt | 26.05.2017, 19:06 Uhr

Als Kleinod und wichtigen Teil des landschaftlichen Kulturerbes sieht der Ganderkeseer Wallhecken-Experte Georg Müller die Flächen, auf denen ein Gewerbegebiet geplant ist. Eine seltene Wege-Wallhecke liegt just dort, wo ein neuer SPD-Antrag die Zuwegung vorsieht.

Ein Kleinod, das zum landschaftlichen Kulturerbe gehört: So beschreibt Wallhecken-Experte Georg Müller das Pultern-Areal, das er am Freitag auf Einladung des Naturschutzbundes (Nabu) Delmenhorst besuchte. In Reaktion auf die städtischen Pläne, dort ein Gewerbegebiet anzulegen, sowie einen darauf bezogenen SPD-Antrag, hatten die Naturschützer zum Ortstermin eingeladen. Als Herzstück stellte der Ganderkeseer Fachmann Müller eine mindestens 200 Jahre alte Wege-Wallhecke heraus, die unmittelbar angrenzend an den Zugang von der Nienburger Straße liegt. „Das ist die letzte Wege-Wallhecke, die es in Delmenhorst gibt“, betont Müller. „Deutschlandweit gibt es nur noch 50 bis 100.“ Durch die 2004 ratifizierte Europäische Landschaftskonvention habe sich Deutschland verpflichtet, „solche Kleinode zu erhalten“.

Weg erzählt die Geschichte der Vorfahren

Zwei Eichen-Reihen säumen den Weg, heute nur noch ein Trampelpfad, über den früher Vieh und Wagen zum Gut Langenwisch gelangten. „Die Wälle und Gräben auf beiden Seiten wurden zur Entwässerung angelegt“, erklärt Georg Müller und verweist auf das sumpfige Gebiet entlang der Heidkruger Bäke. Der Weg erzähle „die Geschichte unserer Vorfahren, die viele Kubikmeter Erde aufgeworfen und Eichen gepflanzt haben, um Schutz zu haben“. Aber schon ohne die Wege-Wallhecke und weitere Wallhecken handle es sich beim Pultern-Areal um ein reizvolles Landschaftsschutzgebiet mit seltenen Pflanzenarten, wie dem Salomonssiegel.

SPD schlägt Zuwegung über Nienburger Straße vor

Die Lage der Wege-Wallhecke nahe der Nienburger Straße ist deshalb entscheidend, weil ein Anfang Mai eingereichter Antrag der Gruppe SPD/ Piraten auf Anregung der SPD AG 60 plus genau hier den Zugang zum geplanten Gewerbegebiet vorsieht. Zielrichtung des SPD-Antrags ist es, das Pultern-Areal zum öffentlichen Park umzuwandeln, den See und davor liegenden Teich zu erhalten und daran wieder ein Lokal oder Veranstaltungen zu ermöglichen. Dafür soll die Gewerbegebiet-Zuwegung, statt wie bisher vorgesehen über den Teich, über die Nienburger Straße (zwischen Hammer und Tootal-Markt) laufen.

Nabu verweist auf nicht ausgelasteten GUT Langenwisch

Margitta Spiecker, die den Nabu seit Jahrzehnten im Bereich nachhaltige Siedlungsentwicklung vertritt, findet den Weg über den geschützten Teich hinweg ebenfalls problematisch, die nun vorgeschlagene Alternative aber nicht weniger. Aus ihrer Sicht sollte das Pultern-Areal ganz verschont bleiben, auch weil es widersinnig wäre, ein Gewerbegebiet dort zu planen, wo im vergangenen Jahrzehnt acht verschiedene Ausgleichsmaßnahmen vom Wald, über Hecken und Wallhecken erfolgt sind, die so vernichtet würden. „Es gibt genügend andere verkehrsgünstig gelegene Gebiete für Gewerbe in Delmenhorst“, sagt sie und verweist auf den „nur zu 50 Prozent gefüllten Gewerbe- und Technologiepark (GUT) Langenwisch“ und auf die Flächen im „Delmenhorster Dreieck“, zwischen Sulinger Straße und B75.