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Delmenhorster Orchester spielt Frisches Stadt-Orchester feilt ehrgeizig an Premiere

Von Sonia Voigt | 26.03.2017, 22:39 Uhr

Intensive Probenarbeit und entspannte Atmosphäre vertragen sich beim neuen Städtischen Orchester Delmenhorst gut. Nach konzentriertem Einsatz am Wochenende sind die Musiker bereit für ihr erstes Sinfoniekonzert.

Konzentrierte Arbeitsatmosphäre herrscht im Saal der Musikschule Delmenhorst, die fast 50 Musiker des neuen Städtischen Orchesters Delmenhorst (SOD) sitzen dicht an dicht gedrängt um Dirigent Adrian Rusnak und den Klaviersolisten des Premierenkonzerts Artem Yasynskyy. „Versucht nicht, ihn zu begleiten“, ruft der junge Dirigent seinen Musikern zu, „ihr spielt nicht zusammen.“ Und wieder heben die Musiker zu Edvard Griegs Klavierkonzert in a-Moll an, voller Orchesterklang füllt den Raum, nur um kurz darauf erneut abzubrechen. „Wo wollt Ihr denn hin? Merkt Ihr, dass Ihr schneller werdet?“, fragt Rusnak. Vereinzeltes Nicken ist die Antwort.

Namhafte Dozenten loben hohe Motivation

Unter Hochdruck hat das frisch gegründete SOD, das organisatorisch unter dem Dach der städtischen Musikschule (MSD) angesiedelt ist, am Wochenende am Programm für sein erstes Sinfoniekonzert am heutigen Montagabend gefeilt. Dabei ist nicht nur Dirigent Adrian Rusnak und Orchester-Manager Joshua Krüger die Freude an dem Projekt anzumerken. Namhafte Dozenten – ein Oldenburger Konzertmeister, ein Bremer Klarinettenprofessor und ein Trompeter der Deutschen Oper in Berlin – haben die Registerproben geleitet und waren voll des Lobes für die hochmotivierten Orchestermitglieder.

Entspannte Atmosphäre mindert Ehrgeiz nicht

Das SOD bezeichnet sich selbst als eine Mischung aus „Vollprofis und solchen, die es werden wollen“. Manche von ihnen sind eigens aus Süddeutschland angereist, andere kommen aus Delmenhorst und umzu, wie Erik Konertz, der in Bremen Posaune studiert. „Das hier ist eine tolle Sache“, sagt das MSD-Eigengewächs, „die Bedeutung für die MSD und eine Stadt dieser Größe kann man nicht hoch genug einschätzen“. Wie viele der Mitwirkenden spielt er seit Jahren in den Musiktheater-Ensembles für die MSD-Produktionen wie „Anatevka“ und zuletzt „Clivia“. Die Musiker kennen sich, die Auswärtigen übernachten bei den Einheimischen, abends wird gemeinsam gefeiert. Doch die entspannte Atmosphäre heißt nicht, dass es an Ehrgeiz fehlt.

Zusammenspiel mit ausgezeichnetem Pianisten intensiv geprobt

Es ist ein intensives Probenwochenende, Takt für Takt arbeitet das Orchester an Otto Nicolais Ouvertüre zu „Die lustigen Weiber von Windsor“ und Mozarts Jupiter-Sinfonie, aber zuletzt vor allem an Griegs Klavierkonzert. „Er spielt hier eine Achtelnote“, erinnert Dirigent Rusnak die Musiker mit einem Kopfnicken in Richtung von Pianist Yasynskyy, „wir eine Triole“. Und an den vielfach ausgezeichneten Klaviersolisten gewandt, der schon in der Carnegie Hall auftrat: „So?“ Mit Yasynskyys Anwort –„so ungefähr“– gibt Rusnak sich nicht zufrieden. „Ungefähr reicht nicht. Nochmal!“, fordert er die Wiederholung, bis es sitzt: „Wir können das noch zehnmal machen.“

Frisches Team setzt viele Räder in Bewegung

Dass hier ein junges, dynamisches Team am Werk ist, das manches Rad in Bewegung setzt, merkt man an vielen Stellen. Zum Beispiel daran, dass drei befreundete Friseure von der Haarwerkstatt Delmenhorst eigens anrücken, um den Orchestermusikern vor dem Fotoshooting die Haare in Form zu föhnen. Oder an der stetig neu mit Fotos und Videos gefütterten Facebook-Seite. Oder auch daran, dass Bäcker Becker unentgeltlich Kuchen zur Stärkung zwischen den Probenabschnitten liefert und mit der Oldenburgischen Landesbank und dem El Mariachi schon weitere Sponsoren gefunden sind.

Wer das Ergebnis des Probeneifers hören möchte, kann am heutigen Montag ab 19.30 Uhr das erste SOD-Sinfoniekonzert im Kleinen Haus miterleben.