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Delmenhorster Polizei berät Durch die Haustür kommen Einbrecher fast nie

Von Sonia Voigt | 23.10.2018, 20:38 Uhr

Delmenhorst Manche Opfer erleben ihr Zuhause nach einem Einbruch als beschmutzt oder ziehen sogar weg. Viele wollen sich besser schützen. Tipps dazu gibt die Präventionsbeauftragte der Delmenhorster Polizei.

Die Terrassentür aufgehebelt, der Inhalt mehrerer Schubladen auf dem Wohnzimmerboden verstreut, Wäsche aus dem Kleiderschrank gezerrt: „Ich kann hier nicht mehr leben“ – so ist das Empfinden mancher Einbruchsopfer, nachdem Diebe in ihren Privatbereich eingedrungen sind und ihr Zuhause auf den Kopf gestellt haben. „Eine Frau hat die ganze Wäsche mehrmals gewaschen und überlegt, eine neue Matratze zu kaufen, weil der Einbrecher auf der alten gesessen haben könnte“, berichtet Simone Hemken, Beauftragte für Kriminalprävention der Delmenhorster Polizei. Andere seien einfach nur wütend oder wollten sich und ihr Haus besser sichern.

150 bis 180 Einbrüche jährlich in Delmenhorst

Immer mehr Menschen denken aber auch an Einbruchsschutz, bevor sie selbst bestohlen werden, manche auch aus einem Gefühl der Unsicherheit heraus. „Die höchste Schätzung, die ich mal gehört habe, war, dass es in Delmenhorst 9000 Einbrüche im Jahr gibt“, berichtet Hemken aus ihren Einzelgesprächen und Präventionsveranstaltungen. „Dabei sind es zuletzt in Delmenhorst nur 150 bis 180 Einbrüche jährlich gewesen“, vergleicht sie. Daher könne man sich in der Stadt relativ sicher fühlen, aber es gelte natürlich, den Einbrechern das Leben so schwer wie möglich zu machen. Und: „Für den Einzelnen, den es trifft, ist jeder Einbruch eine kleine Katastrophe.“

Polizei rät zu „Mechanik vor Elektronik“

„Mechanik geht vor Elektronik“ lautet die grundlegende Regel beim Einbruchschutz, erläutert Simone Hemken. Denn die Mechanik halte den Täter draußen, während die Elektronik ihn nur melde. Die 5000 bis 7000 Euro für eine zertifizierte Alarmanlage für ein Standard-Einfamilienhaus seien eher verzichtbar, als die Investition in gute Fenster und Türen. Bei Fenstern sei der Verriegelungsmechanismus entscheidend, mehr noch als Alter und Verglasung der Fenster, rät Hemken. „Eine normale Rollzapfen-Verriegelung lässt sich relativ leicht aufhebeln“, sagt die Präventionsbeauftragte und stemmt zu Demonstrationszwecken in wenigen Minuten ein Fenster mit einem Schraubenzieher auf. Die sogenannten Pilzkopf-Zapfen seien erheblich sicherer.

Vandalismus kommt selten vor

Verriegelbare Fenstergriffe und Glas mit Durchwurfhemmung seien zusätzliche Sicherungen, aber, sagt Hemken: „Ich kann mich aus den letzten Jahren an keinen Einbruch in einen Privathaushalt erinnern, bei dem durch ein ganz eingeschlagenes Fenster eingestiegen wurde.“ Denn das Glas aus dem Rahmen zu schlagen koste Zeit und mache Krach. Beides meiden Einbrecher. Aus demselben Grund sei auch Vandalismus selten, erklärt Pressesprecher Albert Seegers. Meist werde schnell und gezielt nach Bargeld, Schmuck, Handys, Tablets oder Laptops gesucht – „alles, was sich ohne Aufwand zu Geld machen lässt“. Fast nie werde durch die Haustür eingebrochen, sie ist oft zu gut einsehbar für Nachbarn oder Passanten. Stattdessen erfolgt der Einstieg meist durch rückwärtige Fenster oder Türen. Schutzbeschläge über dem Zylinder, sichere Scharniere oder Querriegelschlösser könnten hier helfen.

Ausstellung in Polizeidienststelle

Kurz vor dem Tag des Einbruchschutzes am Sonntag informiert die Polizeiinspektion Delmenhorst/ Oldenburg-Land/ Wesermarsch am Mittwoch, 24. Oktober von 14 bis 18 Uhr mit einer kleinen Ausstellung in einer Halle im Innenhof der Dienststelle über das Thema. Es gibt sichere Lösungen für Türen und Fenster verschiedener Hersteller zu besichtigen und das Präventionsteam berät vor Ort oder vereinbart Termine für kostenlose Hausbesuche. Hierfür ist Simone Hemken auch unter (04221)1559305 erreichbar. Anmeldungen sind nicht erforderlich.