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Delmenhorster Reaktionen nach Attentat Istanbuler Anschläge: „Eine Garantie auf Sicherheit gibt es nicht“

Von Frederik Grabbe | 29.06.2016, 21:05 Uhr

Die Anschläge am Istanbuler Flughafen, bei denen 44 Menschen starben, hinterlassen ein Gefühl der Unsicherheit. Das gilt für Türken als auch für Deutsche mit türkischen Wurzeln. Eine Welle von Stornierungen durch Türkeiurlauber blieb bislang aus – auch, weil wegen vergangenen Anschlägen das Land an Attraktivität verloren hatte.

Ali T. (52) ist Delmenhorster mit türkischen Wurzeln und befindet sich gerade in der Türkei. Zwei Tage vor den Anschlägen ist er an seinem Ziel im Südosten der Türkei angekommen, welches etwa 1100 km von Istanbul entfernt ist. „Wir haben erst am Mittwochmorgen im Fernsehen von den Anschlägen in Istanbul erfahren und natürlich ist man nach diesen Berichten und Bildern betroffen.“ Die Stimmung in der Türkei beschreibt er als unruhig, die meisten Menschen säßen vor dem Fernseher und warteten auf Fakten und Antworten. Nicht unbedingt Angst, aber Unsicherheit herrsche in der Türkei, da bislang noch viele Fragen unbeantwortet seien, schildert der Delmenhorster, der für seinen Urlaub mit dem Auto rund 4000 Kilometer zurückgelegt hat.

Kalmis: „Jeden Hinweis an die Behörden melden“

Der türkischstämmige Ratsherr Murat Kalmis habe in einer Sitzung am Dienstagabend von den Anschlägen erfahren. Er verurteilt die Angriffe als „abscheulich“ und „grauenvoll“. „Mir fehlen die Worte, hier sind unschuldige Reisende ohne jeden Grund angegriffen worden. Die Terroristen versuchen die europäische Staatengemeinschaft zu spalten. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir müssen überall, egal wo wir sind, die Augen offen halten und jeden Hinweis an die Behörden weiterleiten. Wir dürfen den Hasspredigern keine Chance bieten, uns anzugreifen“, fordert Kalmis, der auch Kontakte in die Türkei pflegt. Die Stimmung in der Türkei selbst sei von Angst geprägt, „ aufgrund der Anschläge in den vergangenen Monaten besteht in den Großstädten eine gewisse Angst, vor die Tür zu gehen. Und das im 21. Jahrhundert.“

Auswärtiges Amt hat eingeschränkte Warnung ausgesprochen

Das Auswärtige Amt hingegen weist auf seiner Internetseite auf „politische Spannungen sowie gewaltsame Auseinandersetzungen“ in der Türkei hin. Landesweit sei mit terroristischen Anschlägen zu rechnen. Allerdings gilt – und das nicht seit gestern – eine eingeschränkte Warnung für die Türkei. Insbesondere wird abgeraten, die Grenzgebiete zu Syrien und zum Irak im Südosten zu bereisen, ansonsten rät das Amt zur Vorsicht bei Menschenansammlungen in Großstädten auf öffentlichen Plätzen oder bei touristischen Attraktionen. Auf der Liste der Länder, in die das Amt ausdrücklich vor Reisen warnt, steht die Türkei aber nicht.

Anschlag unterbricht touristischen Aufwind

Diese Umstände und die Anschläge erzeugen bei Delmenhorster Reisewilligen ein geteiltes Echo: Berichtet das Delmenhorster Reisebüro Adelya von besorgten Anrufen von Personen, die bald ihren Urlaub antreten wollen, und auch teilweise von Stornierungen oder Umbuchungen, sieht die Lage bei anderen Reisebüros anders aus. „ Das ganze Jahr lief der Verkauf von Reisen in die Türkei schleppend , zuletzt hatte sich die Lage durch viele Buchungen bei Last-Minute-Reisen leicht erholt – und dann wird dieser Anschlag verübt“, sagt Adelya-Mitarbeiterin Anja Hausmann. „Dabei ist man in Europa auch nicht vollends sicher“, verweist sie auf die Anschläge von Brüssel oder Paris . Hausmann sei selbst kürzlich erst in Antalya gewesen und habe sich sehr sicher gefühlt.

Eine Garantie auf Sicherheit gibt es nicht

Hingegen habe das Reisebüro Reiseland noch keine Stornierungswünsche aufgenommen, sagt Mitarbeiterin Anke Langetepe. „Letzte Woche noch haben etliche Kunden die Türkei gebucht.“ Das finde sie selbst angesichts der Sicherheitslage „erstaunlich“, weist aber auch darauf hin, dass typische Reiseziele wie die türkische Riviera mehrere Hundert Kilometer von Istanbul entfernt ist. Dies sagt auch Ettje Kucharsky vom TUI-Reisebüro, sie jedoch geht davon aus, dass noch Umbuchungsanfragen folgen werden. „Die Türkei ist zuletzt immer unruhig gewesen. Jeder muss am Ende selbst entscheiden, ob er dorthin fliegen will, oder nicht.“ Eine Garantie auf Sicherheit könnten Reisebüros nicht geben.

„Die Leistungen und die Preise sind toll - die Sicherheit ist es nicht“

Die Reisebüros Reisefink in Delmenhorst und Ganterreisen aus Ganderkesee berichten beide, dass bei ihnen 2016 die Türkei kaum gebucht werde. „Die Leistungen und die Preise sind toll - die Sicherheit ist es nicht“, gibt Isabell Mönig von Ganterreisen den Tenor unter ihren Kunden wieder. Und gerade Familien seien auf Sicherheit bedacht, „da ist der Preis zweitrangig“.