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Delmenhorster Schulentwicklung Rathaus will Realschule und Hauptschule aufgeben

Von Sascha Sebastian Rühl | 02.11.2018, 15:32 Uhr

Die Delmenhorster Stadtverwaltung wird sich gegenüber der Politik für eine Zusammenlegung von Realschule und Hauptschule zu einer Oberschule mit gymnasialem Zweig aussprechen. Aufgrund des großen erwarteten Interesses wird der Bildungsausschuss im Com.Media-Veranstaltungszentrum tagen.

Die Stadtverwaltung hat am Freitag die aktuelle Schulentwicklungsplanung vorgestellt. Am Dienstag möchte die Verwaltung im Bildungsausschuss vorschlagen, die Haupt- und Realschule in Delmenhorst zu einer neuen Oberschule mit gymnasialem Zweig bis zur zehnten Klasse zusammenzulegen. Darüber hinaus wurden fünf weitere Varianten vorgestellt, die unter anderem den Status quo oder in einer die Zusammenlegung der Realschule, die Zusammenführung der Oberschule Süd und einen Umzug der Willms-Außenstelle in die Lilienstraße beinhalten. In jeder der Varianten soll das Max-Planck-Gymnasium einen Anbau bekommen.

Politik wird entscheiden

„Es ist nichts in Stein gemeißelt und jede Variante birgt Risiken“, betonte der Erste Stadtrat Markus Pragal bei der Vorstellung. Die Verwaltung habe sich nach langen Diskussionen und Gesprächen mit Elternvertretern, Schulen und Politikern für eine Variante zum Vorschlag entschieden. „Wir könnten auch 20 Varianten vorstellen, haben uns aber erst mal auf fünf beschränkt.“ Nachteile gebe es immer, für den nun ausgewählten Verwaltungsvorschlag würden die Vorteile überwiegen.

  Im Detail sieht der Verwaltungsvorschlag so aus:

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  • Zusammenlegung der beiden Standorte der Oberschule Süd an den Brendelweg
  • Auflösung der Haupt- und Realschule zur Bildung einer dritten Oberschule
  • Die Räumlichkeiten an der Lilienstraße werden zu einer Außenstelle des Willms-Gymnasiums
  • Das Schulgebäude am Pestalozziweg wird frei (Könnte für eine Erweiterung der IGS auf fünf Züge genutzt werden)
  • Das Schulgebäude an der Königsberger Straße wird frei (Könnte von der Förderschule für geistige Entwicklung an der Karlstraße genutzt werden)
  • Größerer Anbau an die Oberschule Süd
  • Anbau an eine neue Oberschule West ab 2015
  • Anbau an der Oberschule Wilhelm-von-der-Heyde ab 2030

Elternvertreter der Realschule kritisieren Vorschlag

Die Elternvertreter der Realschule Yvonne Schmidt-Rabens, Werner Kenner und Birgit Henne, die auch im Schulvorstand aktiv sind, kritisierten den Verwaltungsvorschlag als nicht nachhaltigen „Raumverteilungsvorschlag“. „Mit der Schließung der Realschule sollen lediglich notwendige Räumlichkeiten geschaffen werden“, findet Birgit Henne. Im vergangenen Schuljahr habe die Realschule 50 Schüler der Gymnasien aufgenommen. „Das wäre für sie wesentlich schwieriger, wenn sie eine Stufe tiefer auf die Oberschule müssten und dort zusmammen mit Hauptschülern unterrichtet werden“, spricht Schmidt Rabens für den Erhalt der Realschule. In dem Plan der Verwaltung finde der Elternwille, der sich in Delmenhorst für die Realschule, aber gegen die Oberschulen ausspreche, keine Berücksichtigung, kritisiert auch Werner Kenner. Der Schulvorstand hoffe auf eine große Beteiligung der Eltern, wenn der Bildungsausschuss zu diesem Thema tagt.

Auch keine Veränderung möglich

Die sogenannte Variante 0 sieht keine Änderungen in der Schullandschaft vor. In diesem Fall würde der Raumbedarf der kommenden Jahre durch Mobilbauten aufgefangen werden. Die Stadt sieht in dieser Option eine vorübergehende, schnelle Lösung. Dadurch könnte aber auch Zeit gewonnen werden, um weiter zu planen.

Schülerzahlen steigen, Hauptschule und Oberschulen weiter unbeliebt

Durch verschiedene Einflüsse musste eine neue Schulentwicklungsplanung erarbeitet werden. Zum einen ist mit einer Steigerung der Schülerzahlen zu rechen, vor allem aber gebe es ein Ungleichgewicht in der Schullandschaft, bei dem IGS, Realschule und die Gymnasien viele, Oberschulen und Hauptschule aber kaum Anmeldungen bekommen. Gleichzeitig sorgt der Beschluss des Landes Niedersachsens, G 9, also das Abitur nach 13 Jahren, einzuführen, für zusätzlichen Raummangel bei den Delmenhorster Gymnasien. Außerdem sorgt die Zuwanderung für einen größeren Bedarf an Sprachlernklassen und somit mehr Räume. Gleichzeitig will die Stadt Außenstellen vermeiden und darauf reagieren, dass Eltern selbst bestimmen können, auf welche Schule ihre Kinder gehen. Eine neue Oberschule mit gymnasialem Zweig soll die bei Eltern besonders beliebten Gymnasien entlasten.

Mehr Ganztags-Grundschulen

Wenig Änderungen soll es im Bereich der Grundschulen geben. Bis zum Schuljahr 2030/2031 sollen 200 Kinder mehr Delmenhorster Grundschulen besuchen. „Dafür werden wir die Schulbezirksgrenzen leicht verschieben“, erklärte Pragal. Außerdem soll es mehr Ganztagsschulen geben. Ihre Anzahl wird von vier auf acht erhöht. „Aber wir brauchen keine neuen Schulen und auch keine großen Anbauten“, sagte Hero Mennebäck, Fachbereichsleiter Bildung.

Ausschuss im Com.media-Veranstaltungszentrum

„Das ist für viele ein sehr emotionales Thema und das wird eine sehr emotionale Debatte“, betonte Pragal. Bisher sei die Diskussion sehr sachlich verlaufen und er hoffe, dass es dabei bleibe. Der Ausschuss für Bildung, Wissenschaft, Sport und Kultur tagt öffentlich am Dienstag, 13. November, ab 17 Uhr. Aufgrund des hohen erwarteten Interesses wird im Com.media-Veranstaltungszentrum auf dem Nordwolle-Gelände, Lahusenstraße 25, getagt.