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Delmenhorster Selbsthilfegruppe Histamin-Intoleranz „Habe Lebensqualität zurückgewonnen“

06.10.2015, 09:36 Uhr

Schnackenburg und Frederik Grabbe Delmenhorst. Nach einem Bissen spüren sie ihr Herz rasen oder ihren Magen schmerzen, darum müssen Histamin-Intolerante immer frisch kochen.

Paul Meyer bereitet sich die Mahlzeiten jeden Tag ausschließlich aus frischen Zutaten zu. Nicht, weil er ein Hobby-Koch wäre, sondern weil er es muss, um Kopf- und Bauchschmerzen, Durchfall und Herzrasen vorzubeugen. Der 43-Jährige leidet an einer Histamin-Intoleranz – eine schwere Krankheit zwar, doch muss sich Meyer nicht allein fühlen. Denn seit Jahren gibt es in Delmenhorst eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Histamin-Intoleranz . Am Montagabend traf sich die Gruppe in der Kerschensteiner-Schule zum gemeinsamen Kochen.

Muffins aus Maismehl, Waffeln aus Kartoffeln

Wobei sich Meyer eher auf das Backen konzentrierte, jenes von Muffins aus Maismehl und Kokos-Raspeln. Andere Teilnehmer backten Blaubeermuffins, Salzgebäck oder Kartoffelwaffeln. Monika Nick-Jakob, die die Gruppe vor sechs Jahren gegründet hat, kochte schließlich auch Gulasch.

„Erste Frage: Was darf ich überhaupt essen?“

Sämtliche der knapp 50 Rezepte der Gruppe stammen von ihr. Nick-Jakob selbst ist von einer Histamin-Intoleranz betroffen. „Ich musste mich nach der Diagnose damit befassen, was ich überhaupt noch essen durfte“, erinnert sie sich. Um auch andere Betroffene an ihrem Wissen teilhaben zu lassen, hat sie die Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. Zehn bis 15 Männer und Frauen kommen zu den monatlichen Treffen.

Selbst Gluten-Spuren können Darmzellen schädigen

„Man vermutet hinter der Histamin-Intoleranz einen Enzymdefekt, das Krankheitsbild ist aber noch nicht gut erforscht“, sagt die Oecotrophologin Anna Köpper . Histamin sei ein Stoff, der etwa in Wein, Sekt, reifem Käse, Essig „oder einfach in gereiften Lebensmitteln vorkommt“, so die Expertin. Ist ein Familienmitglied von einer Unverträglichkeit betroffen, bei Kindern sei am ehesten die Lactoseintoleranz verbreitet, rät sie zu einem Beratungsgespräch. „Gerade eine Gluten-Unverträglichkeit ist eine schwere Erkrankung. Hier können selbst Spuren des Getreidebestandteils Darmzellen schädigen“, warnt sie. Fructose- oder Lactoseintoleranzen seien wenig gefährlich, könnten mit der Zeit sogar verschwinden. Nach dem Erstgespräch wertet Köpper etwa ein Symptom-Tagebuch aus, in dem von Unverträglichkeiten Betroffene ihr Unwohlsein dokumentieren. So grenzt sie die individuelle Nahrungsmittel-Intoleranz ein.

Der Austausch hilft

Aber auch der Austausch mit anderen Betroffenen hilft weiter: „Wir lernen unheimlich viel voneinander und stützen uns“, fasst Christa Behrens ihre Erfahrungen mit der Selbsthilfe-Gruppe zusammen. Seit zwei Jahren gehört sie dazu, die Gruppe habe ihr Lebensqualität zurückgegeben, sagt sie.