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Delmenhorster Servicestelle berät Kausa bringt junge Migranten und Ausbilder zusammen

Von Sonia Voigt | 20.09.2016, 17:56 Uhr

Weil junge Migranten es beim Berufsstart oft noch schwerer haben als andere Delmenhorster Jugendliche, springt die Kausa-Servicestelle ein. Sie arbeitet mit den Jugendlichen selbst, ihren Eltern und Ausbildern, um den Weg in die Ausbildung zu ebnen.

Brücken bauen zwischen jungen Menschen mit Migrationshintergrund und ihren Eltern einerseits und Arbeitgebern andererseits – das ist die Aufgabe der Kausa-Servicestelle Delmenhorst . Rund 80 Jugendliche hat das Team seit dem Start 2015 in den Räumen seines Trägers, der Volkshochschule Delmenhorst, beraten, erklärte Projektleiter Philip Hanna am Dienstag der CDU-Landtagsabgeordneten Annette Schwarz bei einem Informationsbesuch. In rund 300 Betrieben hat Ausbildungsplatzakquisiteur Mehmet Pala um Ausbildungsplätze geworben. Etwa 20 Jugendliche konnte Beraterin Serap Oflazoglu, meist nach längerer Begleitung, in berufliche, schulische oder universitäre Ausbildungen begleiten.

Zwei Kräfte mit dem Fokus auf Flüchtlinge verstärken das Kausa-Team bald

„Einige müssen wir aber auch erst in Sprachkurse zurückverweisen und sagen: in einem halben Jahr oder Jahr schauen wir beruflich weiter“, berichtet Oflazoglu. Bisher liegt der Fokus der Kausa-Servicestellen – 29 gibt es bundesweit, in Niedersachsen zwei weitere in Hannover und Osnabrück – nicht auf neu angekommenen Flüchtlingen, sondern auf Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die schon gut Deutsch sprechen und mehr Einblick in das deutsche Schul- und Ausbildungssystem haben. Ab November verstärken allerdings zwei zusätzliche Kräfte das bisher vierköpfige Kausa-Team, die speziell mit jungen Flüchtlingen arbeiten sollen.

Fachleute bringen Eltern mit Migrationshintergrund den Wert der Ausbildung nahe

„Es geht auch darum, den Eltern den Stellenwert der dualen Ausbildung hier zu erklären“, ergänzt Philip Hanna. Denn formelle Qualifikationen wie ein Ausbildungsabschluss seien hier viel wichtiger als in der alten Heimat mancher Familien, wo das Wissen in einer Autowerkstatt zum Beispiel oft einfach von Generation zu Generation weitergegeben werde. Das nächste Elternseminar startet am 2. November. Für Jugendliche gibt es schon ab dem 17. Oktober montagsnachmittags den Kausa-Mädchenkreis und am 1. November ein Azubi-Speed-Dating mit über 15 Firmen wie Inkoop, Ikea, Klingele, Legeler, Starofit und der Volksbank. „Jetzt, beim zweiten Speed-Dating, kooperieren wir mit den Berufsschulen BBS I und II“, erklärt Beraterin Oflazoglu, die vorab in die Klassen geht und mit Infos, kleinen Geschenken und einer Verlosung für die Veranstaltung wirbt.

Kausa beklagt fehlende Ausbildungsanreize

Nicht ganz einfach ist Mehmet Palas Job, Unternehmer – gezielt auch solche mit Migrationshintergrund – davon zu überzeugen, Jugendliche mit Migrationshintergrund auszubilden. „Für Kleinstbetriebe rechnet sich der Aufwand der Ausbildung oft nicht“, erklärt Pala, andere hätten Sorge, die Ausbildereignungsprüfung, auch wegen der Sprachbarriere, nicht zu schaffen. „Es gibt zu geringe Anreize für diese Zielgruppe, selbst auszubilden, obwohl der Ruf danach stark ist“, gibt Philip Hanna der Landtagsabgeordneten Schwarz mit auf den Weg. Das gelte allerdings für alle Kleinstbetriebe, nicht nur für die mit Migrationshintergrund, entgegnete Schwarz.