Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Delmenhorster Todespfleger: Mutmaßlich weitere Klinikmorde in Delmenhorst

Von Michael Korn | 15.07.2015, 12:22 Uhr

Die Untersuchungen exhumierter Leichen auf den ersten beiden Friedhöfen in Delmenhorst und Ganderkesee sind abgeschlossen. Dabei wurde in weiteren zehn Fällen der bei den Mordfällen verwandte Wirkstoff Ajmalin nachgewiesen.

Zwischenstand zu der Mordserie am Delmenhorster Klinikum: Es wurden nach Mitteilung der Staatsanwalltschaft Oldenburg von Mittwoch, 15. Juli, alle Sterbefälle selektiert, die im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Tätigkeit von Niels H. als Krankenpfleger im Klinikum Delmenhorst eintraten. Die Sonderkommission Kardio hat sodann geklärt, ob die Verstorbenen erd- oder feuerbestattet wurden, weil der Nachweis einer Tötung durch das Spritzen von Ajmalin bei feuerbestatteten Verstorbenen grundsätzlich nicht zu führen ist.

Die Patientenakten der nicht feuerbestatteten Verstorbenen sind einem Sachverständigen zur Beantwortung der Frage übergeben worden, ob der Tod des jeweiligen Patienten durch dessen Krankheitsverlauf erklärbar ist oder nicht.

In 29 Todesfällen kein eindeutiger Zusammenhang zur Krankheit

Inzwischen sind 52 Gutachten zu den Verstorbenen erstattet worden, die auf dem Friedhof an der Urneburger Straße in Ganderkesee beziehungsweise dem evangelischen Friedhof „Heilig-Geist“ in Delmenhorst bestattet wurden. Dabei ist der Gutachter laut der Mitteilung in 29 Fällen zu dem Ergebnis gekommen, dass der Tod sich nicht eindeutig auf den Krankheitsverlauf der Patienten zurückführen lässt. In all diesen Fällen wurden durch die Staatsanwaltschaft gerichtliche Beschlüsse zur Exhumierung der Verstorbenen erwirkt, die anschließend von Sonderkommission durchgeführt wurden; darunter zehn in Ganderkesee und 19 in Delmenhorst. Die Untersuchungen auf diesen Friedhöfen sind damit vorläufig abgeschlossen.

 Weiterlesen: Delmenhorst führt qualifizierte Leichenschau ein 

Ajmalin bei zehn Verstorbenen nachgewiesen

Im Anschluss an die Exhumierungen sind jeweils toxikologische Untersuchungen veranlasst worden. In zehn der 29 untersuchten Fälle wurde der Wirkstoff „Ajmalin“ nachgewiesen. Die Angehörigen der Verstorbenen sind über die Ergebnisse der Untersuchungen persönlich informiert worden.

Exhumierungen auch auf katholischem Friedhof

Zudem liegen bereits weitere Gutachten zu im Klinikum Delmenhorst verstorbenen Patienten vor, die auf anderen als den genannten Friedhöfen bestattet wurden. Auch hier ist der Sachverständige in einigen Fällen zu dem Ergebnis gekommen, dass der Tod sich nicht eindeutig auf den Krankheitsverlauf der Patienten zurückführen lässt. In diesen Fällen wurden bereits weitere Beschlüsse für Exhumierungen erwirkt und durch die Sonderkommission ausgeführt.

 Weiterlesen: Ex-Oberstaatsanwalt im Fall Niels H. angeklagt 

Weitere Exhumierungen folgen

Am Dienstag, dem 14. Juli 2015, sind weitere Exhumierungen auf dem katholischen Friedhof in Delmenhorst durchgeführt worden. Insgesamt wurden auf diesem Friedhof bislang sieben Exhumierungen vorgenommen. Hierzu liegen noch keine Ergebnisse der toxikologischen Untersuchungen vor.

Die Staatsanwaltschaft wird in den nächsten Tagen voraussichtlich weitere gerichtliche Beschlüsse für Exhumierungen beantragen. Wann die nächsten Exhumierungen durchgeführt werden, steht zurzeit noch nicht fest.

 Weiterlesen: Kliniken wollen Whistleblower 

Verfahren gegen Ex-Oberstaatsanwalt noch nicht eröffnet

Das Landgericht Oldenburg gab unterdessen auf Anfrage unserer Zeitung bekannt, dass die Strafkammer noch nicht über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den im Fall Niels H. angeklagten Ex-Oberstaatsanwalt entschieden hat. Mit einer Entscheidung sei laut Pressesprecher Frederik Franz vermutlich in den nächsten vier bis sechs Wochen zu rechnen.