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Delmenhorster verurteilt Vergewaltiger muss in geschlossene Entziehungsanstalt

Von Ole Rosenbohm | 18.08.2017, 16:36 Uhr

Wegen besonders schwerer Vergewaltigung und Bedrohung ist am Freitag ein 20-jähriger Delmenhorster zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.

Die Jugendkammer des Landgerichts Oldenburg ordnete zugleich die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt an. Staatsanwaltschaft und Nebenklägerin hatten fünf Jahre Haft gefordert. Das Verfahren gegen den zur Tatzeit im Februar 2015 gerade 18-Jährigen fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Nach Auffassung des Gerichts hatten sich alle Vorwürfe der Anklage im Prozess zweifelsfrei bestätigt: Unter anderem hatte der Mann der Frau in aller Frühe ein etwa 30 Zentimeter langes Messer an den Hals gehalten, sie dann vergewaltigt. Anschließend hatte er gedroht, sie erneut treffen zu wollen. Noch heute, sagte Richter Dirk Reuter, leide die Frau unter den Folgen.

Täter saß bereits in Haft

Nach der Tat hatte die Polizei den Angeklagten nicht erwischt. Überführt wurde er erst über einen DNA-Abgleich, nachdem er wegen eines schweren Raubes und einer gefährlichen Körperverletzung festgenommen wurde. Im vergangenen Oktober wurde er für diese Taten zu dreieinhalb Jahren verurteilt, nebst der Einweisung in den Maßregelvollzug. Diese Strafe ist jetzt in der aktuellen eingerechnet.

Richter Reuter bezeichnete die Taten als „schwere Verbrechen“, er sprach von „Abscheulichkeit“ in Bezug auf eine „Vergewaltigung der gruseligsten Vorstellung“. Erwachsene würden dafür „sieben, acht, neun Jahre“ erwarten. Jugendstrafrecht aber betont den Erziehungsgedanken, der als Heranwachsender eingestufte Täter kommt so glimpflicher davon. Bei positivem Verlauf wird er insgesamt zweieinhalb Jahre in der geschlossenen Abteilung des Maßregelvollzugs bleiben. Dann könnte er auf Bewährung freikommen. Schafft er die Therapie nicht, wird er wohl die komplette Strafe im Jugendgefängnis absitzen müssen.

Opfer bis heute beeinträchtigt

Sachverständige bescheinigten dem Täter im jetzigen Verfahren, gute Fortschritte in der Therapie zu machen. Vor seiner Verhaftung besaß er nach Rausschmiss Zuhause keinen Wohnsitz, schmiss alle Drogen ein, die er kriegen konnte und war in Beschaffungskriminalität verwickelt. Und das Opfer? Die Frau sei stark und mutig, habe auch guten Rückhalt in der Familie, sagte Reuter, aber sie sei bis heute psychisch beeinträchtigt. Immer noch sei die Angst im täglichen Leben ein ständiger Begleiter. Früh begann sie wieder zu arbeiten, brauchte das Geld. Ein Schmerzensgeld vom Täter aber hat sie nicht zu erwarten.