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Delmenhorster vor Landgericht 23-Jähriger soll Ex-Freundin vergewaltigt haben

Von Ole Rosenbohm | 04.02.2019, 19:39 Uhr

Er soll ihr K.-o.-Tropfen ins Glas geschüttet und sie dann vergewaltigt haben. Zudem stahl er laut Anklage auch Wertsachen aus der Wohnung des Opfers. Seit Montag verhandelt das Landgericht Oldenburg den Fall eines 23-jährigen Delmenhorsters. Die Vorwürfe wiegen schwer.

Vor dem Landgericht Oldenburg hat am Montag ein Verfahren um eine Vergewaltigung begonnen. Der Angeklagte ist ein 23-jähriger Delmenhorster. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor, seiner Ex-Freundin heimlich Mittel wie K.-o.-Tropfen ins Getränk geschüttet zu haben. Danach soll er mit der dann tief schlafenden Frau gegen ihren Willen Geschlechtsverkehr gehabt haben.

Anklage: Übergriff in der eigenen Wohnung

Der Anklage zufolge hat sich der Vorfall in der Nacht auf den 16. Februar vergangenen Jahres zugetragen. Der 23-Jährige war demzufolge abends Gast in der Wohnung der Frau. Dann seien zunächst dem Mitbewohner des Opfers die Augen zugefallen, anschließend der jungen Frau selbst. Im Wohnzimmer soll der 23-Jährige sie dann vergewaltigt haben.

Vier Straftaten vorgeworfen

Insgesamt werden dem Mann vier Straftaten zur Last gelegt: Neben der körperlichen Misshandlung durch das Gift und die anschließende Vergewaltigung auch Diebstahl und Bedrohung. Denn als die Frau am nächsten Morgen aufwachte, waren nicht nur der Angeklagte, sondern auch die Handys der beiden Bewohner und das Portemonnaie der Angeklagten mit knapp 400 Euro bestehend aus Bargeld und Modehaus-Gutscheinen verschwunden. Tage später hätte er dem Mitbewohner geschrieben, hieß es vor Gericht, dass er die Telefone nur dann zurückgeben würde, wenn die junge Frau die Anzeige wegen Vergewaltigung zurückzöge.

Reibungspunkte zwischen Verteidiger und Richter

Der Angeklagte blieb am ersten Prozesstag still. Stattdessen lieferte sich sein Anwalt Stephan Weinert Auseinandersetzungen mit dem Vorsitzenden Richter Horst Kießler. Erst warf Weinert Kießler vor, dem Opfer während dessen Aussage eine Suggestivfrage gestellt und damit der Zeugin die Antwort vorgegeben zu haben. Dann entzündete sich auch noch ein Streit, als der Anwalt den Richter auf ein Missverständnis hinwies, dafür nur ein leichtes Nicken erhielt und anschließend fragte, ob er, der Vorsitzende, heute schlecht drauf sei.

Mutmaßliches Opfer kann sich nicht mehr an viel erinnern

Währenddessen wurde deutlich, dass sich das Opfer nicht mehr an viel erinnern kann, was vor einem Jahr in ihrer Wohnung geschah – zumindest hatte sie nach der Nacht bei der Polizei in vielen Punkten noch leicht andere oder genauere Angaben zu den Geschehnissen am Abend machen können. Sie habe möglicherweise viel verdrängt, gab sie an.

Opfer berichtet von wechselhaften Stimmungen des Angeklagten

Sicher erinnern konnte sie sich hingegen an die gemeinsamen Monate als Paar. Sie erzählte, wie liebevoll der Angeklagte sein könne aber auch wie jähzornig, eifersüchtig und gewalttätig. Mehrfach hätte ihr der Angeklagte „Backpfeifen“ gegeben. Einmal habe er sie bei der Arbeit aufgesucht und ihr eine Beziehung zu einem anderen vorgeworfen. Dann hätte er versucht, eine Zigarette auf ihrem Gesicht auszudrücken und mit einem Stuhl nach ihr geschlagen. Zudem: Er mochte es oft überhaupt nicht, berichtete sie, wenn sie Alkohol trank. An diesem Abend aber hätte er sie sogar aufgefordert, noch ein Glas zu nehmen.

Polizei untersuchte Wäsche der Frau

Die Zeugin sagte aus, viel hätten sie an diesem Abend nicht getrunken. Sie konnte das aber nur ungefähr eingrenzen, etwa ein bis drei Gläser einer Wodka-Mischung habe sie selbst gehabt. Sie sagte auch, der Angeklagte habe ganz sicher die Möglichkeit gehabt, ihr und ihrem Mitbewohner etwas in die Drinks zu schütten. Am nächsten Morgen wusste die Frau: „Da stimmt was nicht“. Sie ließ sich untersuchen und erstattete Anzeige bei der Polizei, die ihre Bettwäsche und Unterwäsche zur Untersuchung abholten.

Am Donnerstag wird die Verhandlung fortgesetzt.