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Delmenhorster vor Landgericht Mann kämpft nach Kiffen mit dem Sohn um Freispruch

Von Ole Rosenbohm | 08.10.2018, 22:22 Uhr

Weil er mit seinem Sohn kiffte, steht ein Delmenhorster vor Gericht. Er sieht aber ein Komplott der Mutter des Sohnes – eine Aussage des Kindes in erster Instanz soll abgesprochen gewesen sein.

Die Anklage wiegt schwer: Er habe zugelassen, dass sich sein psychisch angeschlagener Sohn täglich an seinem Cannabis-Vorrat bedient – und er habe gemeinsam mit dem damals 17-Jährigen gekifft. Auf Grundlage dieser Vorwürfe wurde ein 54 Jahre alter Delmenhorster im Januar vom Amtsgericht zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Jetzt, in der Berufung vor dem Landgericht Oldenburg, sieht es aber nach Freispruch aus.

In Abneigung verbunden

Im Mittelpunkt des Falles steht der heute 19-jährige Sohn des Angeklagten. Nachdem der nach einer Eskalation im Haushalt der Mutter mit Streifenwagen zum Vater gebracht wurde, soll er mit Kiffen begonnen und dadurch eine Psychose entwickelt haben, wegen der er seine Schule abbrach und drei Monate später in die psychiatrische Klinik eingeliefert wurde. So schilderte es der junge Mann in erster Instanz selber, so bestätigten ihn sein zwei Jahre jüngerer Bruder und seine Mutter – mit dem angeklagten Vater seit vielen Jahren in Abneigung verbunden.

Delmenhorster Richter muss aussagen

Diesen Aussagen wollte das Gericht jetzt allerdings keinen Wert beimessen, zu verworren wirkten die Erzählungen, zu unklar die zeitlichen Abfolgen. Dazu kommt, dass der 19-Jährige seine Aussage verweigerte – anders als in erster Instanz. Was er damals sagte, soll am zweiten Verhandlungstag Ende Oktober der Delmenhorster Richter wiedergeben, der den Angeklagten im Januar verknackte.

Komplott gegen den Vater?

Die Richterin in Oldenburg machte aber klar, dass an der damaligen Aussage vieles falsch sein dürfte. So begann die Psychose des 19-Jährigen lange vor dessen Umzug, ebenso seine Drogenkarriere. Ein Komplott der Familie gegen den Vater, so wie der es behauptet?

Aussage „wie besprochen“

Möglich. Denn die ehemalige Haushälterin des Angeklagten behauptet, die Mutter hätte dem jüngeren Sohn auf dem Flur des Amtsgerichtes ein neues Fahrrad für eine Aussage, „wie wir sie besprochen haben“ in Aussicht gestellt. In Delmenhorst wurde der Zeugin nicht geglaubt, die Richterin in Oldenburg beurteilte die Aussage aber als „anschaulich und glaubhaft“. Die Frau sagte auch aus, nie Cannabis in der Wohnung gesehen zu haben – nur im Zimmer des Sohnes.