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Delmenhorster Wellpappenfabrik Verdi kritisiert Klingele für „Streikbruch-Prämie“

Von Sascha Sebastian Rühl | 14.12.2018, 18:23 Uhr

Die Delmenhorster Wellpappenfabrik Klingele soll laut Gewerkschaftsangaben versucht haben, seine Mitarbeiter mit einer Prämie zum Streikbruch zu bewegen. Ein 24-stündiger Produktionsausfall konnte trotzdem nicht verhindert werden.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat am Freitag die Delmenhorster Wellpappenfabrik Klingele wegen einer sogenannten Streikbruchprämie kritisiert. „Bei Klingele in Delmenhorst sollte jeder Beschäftigte eine Streikbruchprämie erhalten, wenn er sich am Arbeitsausstand nicht beteiligt“, teilt die Gewerkschaft mit. Der Geschäftsführer habe eine Prämie in Höhe von 150 Euro versprochen. „Das ist nicht nur rechtlich fragwürdig, es ist ein direkter Angriff auf ein zentrales demokratisches Grundrecht“, empört sich Verdi-Landesleiter Detlef Ahting.

Kollegen verärgert

Genutzt habe das Angebot aber nicht: „Es hat die Kollegen so verärgert und erbost, dass auch diejenigen, die vorher geschwankt haben, erst recht mitgestreikt haben,“ freut sich Landesfachbereichsleiter Lutz Kokemüller, „alle Kollegen haben sich am Streik beteiligt, die Produktion stand still“. Auch Detlef Ahting sprach Lob aus: „Ich freue mich, dass sich die Beschäftigten ihr Streikrecht nicht haben abkaufen lassen. Sie haben damit Haltung gezeigt und dass ihnen ihre Grundrechte wichtiger sind als Geld.“

24 Stunden ohne Produktion

Von Dienstag, 6 Uhr, bis Mittwoch, 6 Uhr, hatten sich viele Klingele-Beschäftigte an einem bundesweiten Warnstreik im Zuge der laufenden Tarifverhandlungen beteiligt. Werkleiter Patrick Ginter hatte den Streik als „vollkommen unverhältnismäßig“ bezeichnet. Ginter bestätigte am Freitag gegenüber dieser Zeitung die angebotene Prämie. „Das war der einzig mögliche Versuch, nachhaltig keine Kunden zu schädigen.“ Die Produktion habe still gestanden, es sei versucht worden, noch ein paar Laster beladen zu können. „Wir haben versucht, den Schaden für das Werk so gering wie möglich zu halten. Aber ver.di war sehr erfolgreich.“ Intern sei die besondere Situation mit dem Betriebsrat aufgearbeitet worden.