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Denkmal erinnert in Altenesch Denkmal erinnert an blutige Schlacht von 1234

Von Dirk Hamm | 27.05.2016, 11:34 Uhr

100 Jahre vor der NS-Kultstätte in Bookholzberg wurde in Altenesch ein Denkmal zum Gedenken an die Schlacht von 1234 errichtet. Der Oldenburger Großherzog wohnte der Einweihung bei.

Sie standen auf verlorenem Posten, die bedauernswerten Haufen Stedinger Bauern, ihnen gegenüber stand ein übermächtiges Kreuzritterheer. So kam es im Jahr 1234, wie es kommen musste: Die um ihre Freiheit und Eigenständigkeit im Stedinger Land ringenden Bauern wurden von den Truppen des Bremer Erzbischofs in der Schlacht bei Altenesch vernichtend geschlagen. Am gestrigen Freitag, 27. Mai, hat sich dieses historische Ereignis zum 782. Mal gejährt.

Aufarbeitung der „Stedingsehre“

An die Schlacht erinnert ein Denkmal, das 1834 auf dem ehemaligen Schlachtfeld auf dem St.-Veit-Hügel bei Altenesch errichtet worden ist. „Das schlichte Denkmal fügt sich eindrucksvoll in das Stedingerland ein“, sagt Rudolf Klimek. Der Ganderkeseer ist im Arbeitskreis Stedingsehre aktiv. Dieser befasst sich seit 2006 mit der historischen Aufarbeitung der „Stedingsehre“, der Freilichtbühne und NS-Kultstätte, die mit einem Spieldorf in Bookholzberg zur Aufführung des Theaterstücks „De Stedinge“ von August Hinrichs über den Freiheitskampf der Stedinger errichtet wurde.

„Stedingsehre“, dieser Name wurde ursprünglich auch dem etwa zehn Kilometer entfernt gelegenen Schlachtendenkmal in Altenesch gegeben. Später wurde es in St.-Veit-Denkmal umbenannt. Initiator des Denkmals, das durch Spenden finanziert wurde, war der Pastor in Altenesch, Gerhard Steinfeld, der sich als vielseitiger Forscher mit der Geschichte des Stedingerlandes beschäftigt hatte. Zwischen der Entstehung der beiden Erinnerungsstätten liegen 100 Jahre.

Verklärte Erinnerung an historische Ereignisse

Als am 27. Mai 1834 zur 600-Jahr-Feier der Schlacht das Denkmal in Altenesch eingeweiht wurde, war als Ehrengast der Großherzog von Oldenburg, Paul Friedrich August, anwesend, und die oldenburgische Flagge wurde gehisst. Der Landesherr erschien „in volkstümlicher Weise und einfach gekleidet“, wie Rudolf Klimek hervorhebt – ein gutes Beispiel dafür, wie zu allen Zeiten die Herrschenden die verklärte Erinnerung an historische Ereignisse benutzen, um sich selbst in das gewünschte Licht zu rücken.

Das Kernstück des Denkmals bildet der samt Sockel vier Meter hohe Obelisk mit vier Inschriftentafeln. Besonders beeindruckt Klimek das „wunderschöne Eisengitter“, das das Denkmal umrahmt. Das kreuzweise verflochtene Gitter zeugt andeutungsweise vom Kampfgeschehen.

Ketzerische Stedinger

Die Schlacht bei Altenesch entschied den Stedingerkrieg der Jahre 1233 und 1234. Der Bremer Erzbischof Gerhard II. und seine Verbündeten führten damals zur Unterwerfung der seit Jahren rebellierenden, als Ketzer gebrandmarkten Stedinger und ihrer Bauernrepublik den einzigen Kreuzzug auf deutschem Boden.